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Remscheid
Historische Klangreise durch Europa

Remscheid. Mit dem "musikalisch-geographischen Kleeblatt" starteten die neunten Cembalotage.

Remscheid (bona) Mit einem "musikalisch-geographischen" Kleeblatt wurden die Lenneper Cembalotage eröffnet. Unter dem Motto "Reiselust" schlossen sich am Wochenende weitere drei Konzerte an. Zum Auftakt der 9. Auflage des im Jahr 2000 gegründeten Festivals, das das Cembalo und die hiesigen Instrumentenbauer in den Mittelpunkt stellt, konzertierte das "Ensemble Philomusici" in der evangelischen Stadtkirche Lennep und begab sich mit seinen Zuhörern auf eine Reise durch Europa.

Auf historischen Instrumenten bzw. ihren Nachbauten gespielt, erhielt die Musik aus Renaissance und Barock eine besondere Authentizität. Der Einstieg erfolgte dabei in Flandern, als die Musiker geistliche und weltliche Stücke unterschiedlicher Komponisten aus dieser Region darboten. Als versierter Interpret für Alte Musik erwies sich Professor Carsten Lorenz, der auf dem nach Vorbildern des italienischen Cembalos aus dem 17. Jahrhundert gebauten Instrumentes aus der Werkstatt Volker Platte das Lied "Onder een Linde groen" präsentierte. Das liedhaft, mit verschiedenen Motivwiederholungen gestaltete Stück passte wunderbar in ein Frühlingskonzert, wenngleich sich auch am Freitagabend über der Kirche die Gewitterwolken zusammenballten. In unterschiedlichen Besetzungen interpretierten weiterhin Marie Luise Werneburg (Sopran), Anna Schall mit dem Zink, einem gebogenen Holzblasinstrument, Robert Schlegl auf der Barockposaune, Simon Linnè mit der zur Familie der Lauten gehörenden Chitarrone und Eva Maria Horn auf dem Dulzian, einem dem späteren Fagott ähnlichen Instrument, die verschiedenen Werke.

Auch die kleine Truhenorgel der Stadtkirche kam - unter anderem gespielt von Kantor Johannes Geßner - für den Basso Continuo zum Einsatz. In bleibender Erinnerung bleiben wird dem fasziniert lauschenden Publikum dieses Konzert zweifelsohne durch die herausragende Stimme der Sopranistin. Marie Luise Werneburg ist eine Spezialistin für Alte Musik, wenn ihr Gesang sich engelsgleich über die Köpfe der Zuhörer entfaltet oder wie in Heinrich Schütz`"O lieber Herr Gott, wecke uns auf" eine fröhliche Frömmigkeit ausstrahlt. Bei der fortgesetzten Klangreise durch Italien, Deutschland und Spanien zeigte sich, dass die alten Instrumente nicht die klangliche Dominanz wie ihre modernen Nachfolger haben und die Spieltechnik den Musikern einiges an Virtuosität abverlangt. Die für die heutigen Hörgewohnheiten ungewöhnlichen Klangvariationen haben indes einen besonderen Reiz, was nicht nur Kenner und Freunde Alter Musik in ihren Bann zog.

Sicher entspricht der musikalische Schwerpunkt nicht dem gängigen Mainstream. Dennoch müsste dieses kleine, feine Festival noch mehr in die Region ausstrahlen. Zumal der barocke Kirchenbau ein wunderschönes Ambiente für die Konzerte bietet. Das hervorragend musizierende Ensemble hätte ein paar mehr als rund 60 Konzertgäste verdient gehabt.

Quelle: RP
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