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Remscheid
Hits bei der Beerdigung

Remscheid. Neben Kirchenliedern wünschen sich die Trauernden immer häufiger Evergreens und Pop-Songs beim Gottesdienst. Von Bernd Geiseler

Die wenigsten Menschen im Bergischen tragen den Vornamen Johnny. Deswegen ist das Lied "Goodbye Johnny" des Operettenkomponisten Peter Kreuder (1905 - 1981), gesungen von Hans Albers, nicht oft bei Beerdigungen zu hören. Aber immerhin hat es ein anderes Lied von Kreuder bis auf den Totengräber-Olymp der Abschiedsmelodien geschafft: "Sag beim Abschied leise Servus."

Wobei "Olymp" relativ ist. "Die meisten Abschiedslieder bestimmen die Angehörigen nach der individuellen Lebensweise des Verstorbenen", sagt Bernd Dieter Netzlaff vom Lenneper Beerdigungsinstitut Stemplewski. Daher könne er sich eine echte "Hitparade" der beliebtesten Abschiedslieder nicht vorstellen. Aber einige Lieder werden natürlich öfters als andere gewünscht. Dazu gehören neben Liedern aus dem Gesangbuch etwa der Song von "Unheilig": "Geboren um zu leben" sowie "Time to Say Goodbye" (Andrea Bocelli), "Über den Wolken" (Reinhard Mey) oder auch "Niemals geht man so ganz" (Trude Herr).

Johannes Geßner, Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Lennep, nennt spontan das oft gewünschte Lied aus dem evangelischen Gesangbuch: "So nimm denn meine Hände" (Julie von Hausmann). Ihm fällt auch ein: "Ein Stern, der deinen Namen trägt" (DJ Ötzi). Dieses Disco-Lied nennt auch Ursula Heinrichsmeyer vom Beerdigungs-Fachgeschäft Kotthaus in Lüttringhausen.

Es lief in einer Endlosschleife am Grab, bis alle 400 Teilnehmer einer Beerdigung ihre Kondolenz erwiesen hatten. Das sei aber eine Ausnahme gewesen, sagt sie. In Lüttringhausen werden vornehmlich konfessionell gebundene Abschiedslieder gespielt, wie "Stern, auf den ich schaue" (Adolf Krummacher), "Von guten Mächten" (Dietrich Bonhoeffer) oder auch "Meine Zeit steht in deinen Händen" (Peter Strauch). Selten werden Lieder noch live bei Beerdigungen gesungen oder gespielt. Wenn, dann gehört dazu "Ave Maria" (Bach/Gounod). "Viele Angehörige wollen das Leben des Verstorbenen noch einmal Revue passieren lassen", sagt Ulrike Becker vom Beerdigungsfachgeschäft Max Henning.

Deswegen wählten sie oft ganz individuelle Lieder, die mit Abschied nichts zu tun haben. Es seien auch schon mal Karnevalslieder am Grab zu hören, weiß Frank Pinnow von Bestattungen Alfred Roth. So lief bei der Beerdigung eines durch Freitod aus dem Leben Geschiedenen tatsächlich DJ Ötzis Partykracher. Natürlich ist auch der obligate Griff aus der Schlagertonne dabei: "Atemlos" (Helene Fischer) und "Rot, rot, rot sind die Rosen" (Semino Rossi) nennen die Bestattungsexperten. Was aber ein echter Fußballfan ist, der zu Grabe getragen wird, der hört auch im Sarg noch Fußballhymnen. Das erzählte Bernd Dieter Netzlaff über die Beerdigung seines Jugendtrainers. Der Trainer und Fan von Borussia Mönchengladbach bekam von seinen früheren Schülern die größte Fußballhymne aller Zeiten als Ständchen gebracht: "You'll Never Walk Alone" ("Du wirst niemals alleine gehen").

Quelle: RP
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