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Remscheid
Höhlenfrau zwischen Panik, Trauer und Gelassenheit

Remscheid. Heike Feist überzeugt in der gut besuchten Lenneper Klosterkirche als Frau, die es jedem recht machen will. Von Bernd Geisler

Remscheid Die Bühne der Klosterkirche ließ tief blicken. Die moderne Steinzeithöhle einer Höhlenfrau ("Cavewoman") ist gefüllt mit einreihigen Regalen. Und die sind vollgestopft mit Schuhen. Davor ein schlabbriges Sofa zum Herumlümmeln und für die Ablage getragener Männerklamotten: Nicht gerade ein Hinweis auf eine ordentliche Hausfrau, aber auch nicht der beispielhafte Wohnraum einer souveränen Business-Emanze.

Beides steckt vermutlich in vielen Frauen, die es jedem recht machen wollen. Und besonders sich selbst. Dieser doppellastige Anspruch, sowohl im Kleinen Schwarzen, als auch in zerrissenen Jeans stets eine gute Figur zu machen, funktioniert nur mit einem wackeligen Spagat, der auf die Dauer an die Nerven geht. Gut zu beobachten bei "Cavewoman" Heike Feist, die am Vorabend ihrer Hochzeit soeben ihren zukünftigen Gatten aus ihrer Höhle geschmissen hat. Er hatte beim Sex ganz nebenbei die Frage gestellt, wer in ihrer Beziehung denn nun die Hosen anhabe.

Die zwischen explosiver Panik, triefender Trauer und zynischer Gelassenheit hin und her schwankende Frau in den besten Jahren lässt ihren Frust aus an den Besuchern in der vollen Klosterkirche - die vermeintlichen Hochzeitsgäste, die einen Tag zu früh gekommen sind. Die Männer in den ersten Reihen müssen besonders darunter leiden. Feist telefoniert nebenbei mit ihrer nervig-penetranten Mutter, reicht den Hörer mal kurz einem verdatterten Besucher, fragt inzwischen die Zuschauerinnen: "Haben Sie auch so eine Mutter? Oder sind Sie sogar selber eine?" und erklärt daneben die "weibliche Logik": Ich heirate ihn, obwohl ich ihn gerade rausgeworfen habe.

Sie nimmt sich selbst - und damit die Frauen - grandios auf die Schippe. Sie kommentiert das unzufriedene Ergebnis (Orangenhaut und Winkearme) einer Inspektion des nackten Spiegelbildes mit: "Verdient hat er's". Aber das richtig ranzige Fett bekommen die Männer ab. Sie lässt kein Geschlechterklischee aus, überspitzt es bis zum Absurden und erzeugt so die Lacher. Meistens bei den Frauen. Die zu wenigen (mitgeschleiften) Männer machen gute Miene zum bösen Spiel. Kaum zu glauben: Die Feist erwischt mit ihrer direkten Ansprache auch genau solche verblüfften Exemplare der Männerwelt, die sie vorher aufs Korn genommen hat. "Frauen sind dazu verdammt, den Mann zu reparieren", stöhnt sie. Das klappt nicht immer: In der Klosterkirche wurden Badelatschen an Männerfüßen gesichtet. Obendrein reden Männer mit ihrer Partnerin kaum zwei sinnvolle Sätze, verwechseln Balsamico mit Basilikum, pupsen, rülpsen, schnarchen und denken, sie seien Tiger, sind aber nur Häschen. Wenn Frau aber weiß, dass der Mann damit sagt: "Ich liebe Dich", dann kann sie ihn auch heiraten.

Quelle: RP
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