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Ansichtssache
Hoffnung auf mehr Impulse für die Stadt

Remscheid. Eine gute Kulturpolitik darf niemanden aufgrund seiner Herkunft und seiner finanziellen Mittel ausschließen. Auch nicht bei der Musikschule.

Kompliment. Über ihr neues Domizil in den beiden denkmalgeschützten Häusern an der Scharffstraße können sich die Schüler der Musik- und Kunstschule sowie die Lehrer freuen. Helle Räume, freundliche Farben, funktionale Arbeitsplätze. Mit hohen Fördergelder vom Land, um die 700.000 Euro, sind zwei historische Gebäude im Stadtzentrum wieder aufgewertet worden, die die Stadt über Jahre hat verkommen lassen. Mit eigenen Mitteln hätte sie diesen Akt niemals stemmen können. Das Land hat der Stadt das Geld aber nicht gegeben, um den Umzug der MKS zu finanzieren. Es hat Geld bewilligt, damit dort ein Konzept verwirklicht wird, dass die Integration von Flüchtlingen verbessern helfen soll. Die MKS auch als Begegnungsstätte mit Flüchtlingen auszuweisen, fand in Düsseldorf geradezu helle Begeisterung. Doch wie soll nun der Alltag aussehen?

Kultur kann einen Beitrag zur Integration leisten. Aber vorrangig bei allen Integrationsbemühungen bleibt das Erlernen der Sprache, die Kenntnisse der hiesigen Gepflogenheiten und die Qualifizierung für einen Arbeitsplatz. Kulturelle Bildung stärkt dabei das Selbstvertrauen, diesen häufig schwierigen Weg in der Fremde zu gehen. Mit der Bezeichnung "Begegnungsstätte für Flüchtlinge" erfüllte die Stadt Förderbedingungen des Landes. So läuft das politische Geschäft. Aber es hinterlässt einen faden Beigeschmack, wenn Flüchtlingen nun etwas zuteil wird, was auch vielen anderen Remscheidern zugute kommen sollte. Wie will man einer alleinerziehenden Mutter erklären, dass ein Flüchtlingskind umsonst am Unterricht der MKS teilnehmen darf, ihr Kind aber nicht? 30 Minuten Klavierunterricht kosten pro Monat 55 Euro. Ist das Integration? Hier besteht eine Gerechtigkeitslücke. Eine gute Kulturpolitik darf niemanden aufgrund seiner Herkunft und seiner finanziellen Mittel ausschließen. Sonst macht sich zurecht Unmut breit und bringt die MKS in den Verdacht, eine Schule für die Besserverdienenden zu sein. Das wäre ein fatales Signal.

Mit dem Umzug der MKS an die Scharffstraße ist die organisatorische Vereinigung des Kommunalen Bildungszentrum vollzogen. VHS, MKS und Bibliothek sind fast unter einem Dach. Jetzt geht es darum, die Institute gedanklich weiter zu vernetzen. Die Hoffnung ist groß, dass von diesem kulturellen Schwergewicht bald mehr Impulse ausgehen.

CHRISTIAN PEISELER

Quelle: RP
 
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