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Remscheid
Home-Jacking - wenn Einbrecher nachts den Autoschlüssel stehlen

Remscheid. Was bisher vorwiegend aus Metropolen berichtet wurde, scheint nun auch im Bergischen angekommen zu sein - ein Fall aus Remscheid. Von Bernd Bussang

Der oder die Täter kamen in der Nacht zum Mittwoch, als ein Paar in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses an der Artur-Sommer-Straße schon schlief. Durch ein auf Kipp gestelltes Küchenfenster verschafften sich die nächtlichen Eindringlinge Zugang zu der Wohnung, berichtet die Polizei. Lange suchen mussten sie offenbar nicht, denn bereits in der Küche wurden sie fündig. Dort standen zwei Taschen mit Portemonnaies und einem Autoschlüssel. Den nahmen die Einbrecher mit - ebenso wie das in den Geldbörsen befindliche Bargeld und einen Schlüssel zu der Tiergarage, in dem sich der A 3 des Paares befand. Lautlos und von den Bestohlenen unbemerkt verließen die Unbekannten die Wohnung. Mit Hilfe des erbeuteten Schlüssel öffneten sie die Tiefgarage, dann das Auto. Sie stiegen ein und fuhren davon.

Für das bestohlene Paar gab es am nächsten Morgen ein böses Erwachen. Home-Jacking - was bisher vornehmlich aus Metropolen wie Köln oder Düsseldorf berichtet wurde, scheint nun auch im Bergischen angekommen zu sein. Einbrecher, die es gezielt auf Autoschlüssel abgesehen haben, seien im Bergischen Städtedreieck noch selten, die Fallzahlen sehr niedrig, sagt Polizeisprecher Stefan Weiand. Und ob es in dem Remscheider Fall genau so war oder sich der Autodiebstahl als Zufalls-Gelegenheit ergeben hatte, müsse noch ermittelt werden.

Vieles spricht jedoch offenbar dafür, dass es sich auch hier um ein bandenmäßiges, professionelles Vorgehen handelte. Denn mit dem Autodiebstahl ist es für die Täter nicht getan. Häufig stehen straff organisierte kriminelle "Vertriebswege" dahinter. Das heißt, die Autos werden auf schnellem Weg ins Ausland gebracht.

Durch die verbesserte Sicherung der Hersteller gegen Kfz-Diebstahl, seien die Diebe unter Zugzwang geraten, berichtet der Polizeisprecher. Home-Jacking sei nur eine Methode, an neue, hochwertige und modern gesicherte Fahrzeuge zu gelangen. Eine andere ist es, auf elektronischem Wege Signale zu verstärken oder zu manipulieren. Das funktioniere etwa bei den Keyless-Schließsystemen, bei denen Schlösser sich automatisch öffnen, wenn der Schlüssel sich dem Auto nähert.

Patentrezepte gegen solche Täter hat Weiand nicht. Den Schlüssel zu verstecken, könne Einbrecher dazu animieren, die Opfer aufzuwecken und ihnen Gewalt anzudrohen. Sollte dies geschehen, rät der Polizist von Widerstand dringend ab. "Schlüssel aushändigen und die Polizei verständigen, sobald die Täter verschwunden sind." Wirksamstes Mittel sei ein guter Einbruchschutz.

Quelle: RP
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