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Remscheid
Hotel- und Gaststättengewerbe hat Nachwuchssorgen

Remscheid. Immer weniger junge Menschen interessieren sich für die Ausbildung in der Branche. IHK rät Betrieben, sich intensiv um Auszubildende zu bemühen. Von Michael Bosse

Das heimische Hotel- und Gaststättengewerbe leidet unter einem eklatanten Nachwuchsmangel. Flexible Arbeitszeiten, ein bisweilen stressiger Job und ein überschaubares Lohnniveau schrecken offenbar viele junge Leute davon ab, eine Ausbildung als Koch oder Hotelfachmann zu beginnen. Sowohl in der Gastronomie wie auch in der Hotellerie sei die Zahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Bewerber "deutlich rückläufig", erklärt die Bergische Industrie- und Handelskammer auf Nachfrage. Das schlägt sich auch in der Zahl der Ausbildungsverträge nieder: Wurden im Jahr 2012 im Bergischen Städtedreieck noch 120 Verträge in der Branche abgeschlossen, waren es im Herbst 2015 lediglich 102. In diesem Jahr habe es zwar eine "leichte Erholung" am Ausbildungsmarkt gegeben, die Situation bleibe aber "schwierig".

Das bestätigen auch die heimischen Betriebe. "Früher habe ich stapelweise Bewerbungen bekommen", sagt Petra Heldmann von "Heldmann Restaurant". In dem gerade gestarteten Ausbildungsjahr habe ihr Haus noch mit Mühe und Not zwei Auszubildende zum Koch gefunden. Zudem bildet "Heldmann Restaurant" noch zwei junge Frauen zur Restaurantfachfrau aus. Für das aktuelle Lehrjahr habe man diesmal aber keine Auszubildende in diesem Bereich gefunden, sagt Petra Heldmann.

Es sei bedauerlich, dass das Hotel- und Gaststättengewerbe ein "so schlechtes Image" habe und viele junge Leute eine Tätigkeit im Dienstleistungsbereich scheuten, gesteht Heldmann. Dabei sei der Job hoch interessant und abwechslungsreich. "Man hat jeden Tag mit anderen Leuten zu tun", erzählt sie. Zudem sei der Job krisensicher, schließlich würden in der Branche immer Mitarbeiter gesucht. "Und wer will, der kann dann auch mal in Urlaubsgebieten arbeiten".

Auch im "Hotel-Restaurant Kromberg" hat man das nachlassende Interesse des Nachwuchses schon bemerkt. "Ich konnte alle Stellen besetzen, aber es wird immer schwieriger", sagt Hotelchef Markus Kärst. Zum 1. August hat er zwei neue Köche und eine Hotelfachfrau als Auszubildende eingestellt. Besonders die Bewerbungen als Hotelfachfrau oder -mann seien in den vergangenen Jahren immer weniger geworden, erzählt Kärst. "Die gehen lieber zu den großen Hotelketten."

Vor allem die Arbeitszeiten und vergleichsweise niedrigen Löhne schreckten viele junge Leute ab. Dabei seien die Hotellerie und die Gastronomie einer "der größten Arbeitgeber in Deutschland". Wer über eine solide Ausbildung in diesem Bereich verfüge, der habe die Möglichkeit, "in der Welt herumzukommen", betont Kärst, der auch Vorsitzender der Geschäftsstelle Remscheid des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) ist.

Mit Marketingaktionen bemühe man sich darum, die Ausbildung für junge Menschen attraktiver zu machen. Das sei auch deshalb so wichtig, weil man Probleme habe, Fachkräfte für freiwerdende Stellen zu finden, sagt der gelernte Koch. Und wenn der Nachwuchs fehlt, dann werde es eben auch immer schwerer, diese Stellen neu zu besetzen.

Auch nach Ansicht der IHK ist es unerlässlich, dass sich Hotels und Gaststätten frühzeitig um den Nachwuchs kümmern. "Durch Berufsfelderkundungen und Praktika kann den Jugendlichen der berufliche Alltag nahegebracht und Interesse frühzeitig geweckt werden", erklärt der Leiter des Stabsbereichs Standortpolitik bei der IHK, Thomas Wängler. Um das zu erreichen, sollten die Betriebe auch die Ausbildungsbörsen in der Region besuchen und sich dort präsentieren.

Quelle: RP
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