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Serie Mein Stadtteil Bergisch Born
Idylle mit Fachwerk, Bauern, Rotmilan

Serie Mein Stadtteil Bergisch Born: Idylle mit Fachwerk, Bauern, Rotmilan
Unter blühenden Geranien nimmt Viola Schwanicke gerne auf der grünen Bank vor ihrem Haus Platz, um zu lesen. FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. Stadtarchivarin Viola Schwanicke lebt seit 28 Jahren in Bergisch Born. Das naturnahe Leben auf dem Land fasziniert sie ebenso wie der gute soziale Zusammenhalt in der dörflichen Gemeinschaft mit Gemeinde, Sportverein und Feuerwehr. Von Bernd Bussang

Einen schöneren Leseplatz als den auf der grünen Bank gleich vor ihrer Haustür kann sich Viola Schwanicke kaum vorstellen. "Das ist mein Lieblingsplatz", sagt sie. Das Haus ist unten verputzt, weiter oben trägt es die typisch bergischen Schiefertafeln und liegt etwas zurückgebaut von der Hauptstraße ihres Stadtteils, Bergisch Born.

Seit 28 Jahren lebt die 49-Jährige dort, mit Mann und drei Kindern. Die beiden Söhne (19 und 29) sind schon erwachsen, die 16-jährige Tochter geht noch zur Schule. "Der Kontakt zu den Nachbarn entsteht häufig über die Kinder", erinnert sich Viola Schwanicke. Kontakte zu den Müttern der früheren Krabbelgruppe pflegt sie bis heute. Wer jung ist, findet im ländlichen Bergisch Born ein gutes Angebot. Die Freiwillige Feuerwehr hat Jugendgruppen und natürlich der inzwischen breit aufgestellte Sportverein SSV Bergisch Born mit seinen vielen Jugendmannschaften und dem großen internationalen Pfingstturnier als Aushängeschild, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus strahlt. Schwanicke: "Auf dem Sportplatz habe ich mit meinen Kindern viel Zeit verbracht."

Und dann gibt es ja noch das evangelische Gemeindehaus mit seinen vielfältigen Angeboten für jedes Alter. Es ist das gefühlte Zentrum des Stadtteils, der eigentlich kein echtes Zentrum hat. Jugendtreff, Frauenkreis, Angebote für Senioren gibt es dort, "wenn man die Bergisch Borner zusammenrufen will, lädt man sie ein ins Gemeindehaus", sagt Viola Schwanicke. Dort tagt übrigens auch die Interessengemeinschaft Bergisch Borner Bürger (IGBB), dessen Geschicke sie seit September 2015 als Geschäftsführerin und 2. Vorsitzende maßgeblich mitgestaltet.

Wir setzen uns ins Auto und fahren gemeinsam die Hauptstraße entlang. Bergisch Born ist ein Straßendorf, sagt Viola Schwanicke, die als Stadtarchivarin einen tiefen Sinn fürs Historische hat. "Die Straße, die heute B 51 heißt, war früher eine alte Handelsstraße, die von Dortmund nach Köln führte", sagt Schwanicke. Die heutige B 237 führte damals schon nach Siegen. Ein Handelsknotenpunkt also, im 13. Jahrhundert wurde das alte "Amt Bornefeld" erstmals erwähnt. Bis heute sei Bergisch Born dreigeteilt. Je nach ihrem genauen Wohnort orientierten sich die Bewohner nach Hückeswagen, Wermelskirchen oder Lennep. Aber in einem seien sie sich einig: "Mit Remscheid haben sie nichts zu tun."

Wir biegen ein in die Oberstraße. Dort steht, 1658 erbaut, das älteste noch erhaltene Haus des Stadtteils. "Dort hat mal eine Freundin gewohnt", sagt Viola Schwanicke. Das alte Fachwerkhaus mag sie sehr. Es ist so idyllisch, irgendwie kuschelig, nur der Gewölbekeller ist irgendwie gruselig." Eine Nachbarin kommt hinzu. Sie ist in dem Haus geboren. "Mein Großvater, der alte Herr Adolf, wohnte dort, es war mal eine Friedhofsgärtnerei", erinnert sich die Frau. Heute ist dort ein Tatoo-Studio untergebracht.

Wer mit Viola Schwanicke den Oberweg in Richtung Eschbachtalsperre hinunter schlendert und dabei mit ihr ins Grüne blickt , hört sie bald schwärmen. "Ich mag das Ländliche, die Landschaft sieht aus als hätte sie sich in den vergangenen Jahrhunderten nicht verändert", sagt sie. "Hier ist die Zeit stehengeblieben". Das fasziniert sie. "In einer Zeit, in der vieles unübersichtlich und teilweise bedrohlich wirkt, gibt einem das Beruhigung."

Wir steigen ins Auto und fahren hinunter ins Feldbachtal, vorbei am Hof des Bauern Buchholz. "Dass es hier überall noch Bauern gibt, mag ich besonders", sagt Schwanicke. Als ihre Kinder noch klein waren, holte sie frische Mich vom Bauern. "Damals gab es hier nicht viel", erinnert sie sich. Ein Lebensmittelladen, einen Metzger, nicht mal einen Bäcker." Das hat sich inzwischen geändert.

Unser Weg führt vorbei am Haus des verstorbenen Bauer Remmel, der Spaziergänger auf seine Bank bat und ihnen Geschichten erzählte, zur Anglerhütte. "Am Vatertag ist hier immer alles voll", sagt Schwanicke. "Dann werden Spanferkel und Würstchen gegrillt, es gibt Bier und Live-Musik." Das Feldbachtal ist eines der größten Naturschutzgebiete der Stadt, ein Rückzugsraum für Kiebitz, Eisvogel und Rotmilan sowie seltene Falterarten.

Wir kehren zurück zur Hauptstraße, und die passt längst nicht mehr ins grüne Naturidyll. "Der Verkehr auf der B 51 ist unerträglich", sagt Schwanicke. Besonders schlimm sei es im Winter, wenn sich der durch verstopfte Autobahnen umgeleitete Schwerverkehr den Weg durchs "Dorf" bahnt.

"Ich habe mir schon Urlaubstage nehmen müssen, weil ich einfach nicht zur Arbeit kam", sagt die Stadtarchivarin. "Durch den geplanten Bau des Designer Outlet Centers könnte alles noch schlimmer werden." Zu einer Ortsumgehung sieht Viola Schwanicke keine Alternative. "Doch derzeit weiß niemand, wann sie kommt."

Quelle: RP
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