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Remscheid
Im Talentlabor seine Stärken entdecken

Remscheid. Im nächsten Jahr endet die Testphase des Projekts. Eine Fortführung würde 150 000 Euro kosten. Von Anna Mazzalupi

Chiara (14) greift beherzt zur schwarzen Dachpfanne. Eine nach der anderen legt die Schülerin der Alexander-von-Humboldt Realschule auf der Mini-Dachkonstruktion ab. Dann kommt ein lautes Signal und die Neuntklässlerin wechselt zur nächsten Station "Steinmetz".

"Das macht Spaß. Man entdeckt viele neue Sachen. Das war das erste Mal, dass ich ein Dach abgedeckt habe", sagte Chiara, die zusammen mit 28 Klassenkameraden zum zweiten Mal beim Talentlabor in der Gelben Villa Berufe ausprobieren und die eigenen Stärken kennenlernen konnte. Das Labor mit rund 29 Stationen ist Teil des Projekts "Talentschmiede", das die Kraftstation für die berufliche Orientierung von Jugendlichen entwickelt hat.

Seit Mai 2014 begleitet das Team um Diplom-Pädagogin Dorothea Reckerth rund 141 Schüler von den sechs Pilotschulen von Förderschule über Gymnasium und Berufskolleg. Bis nächstes Jahr dauert die Testphase des praxisorientierten Projekts. Schwerpunkt des dreimoduligen Konzepts ist es, dass Jugendliche ab der achten Klasse selbst ihre Stärken in der Praxis entdecken und sich frühzeitig mit dem Leben nach der Schule auseinandersetzen.

Herzstück ist das Talentlabor. "Hier ist es so, dass wir eine Tür öffnen, man kann reinschauen, ob es einem gefällt oder nicht. Und wenn nicht, macht man die nächste Tür auf", erklärte Projektleiterin Reckerth das Prinzip. Die verschiedenen Stationen wurden mit Unterstützung der Kreishandwerkerschaft und anderen Betrieben entwickelt. Vom Bürojob über Handwerk oder Laborarbeit wird fast jede Branche abgedeckt. Ein Infozettel klärt über Voraussetzungen und Gehalt des Berufes auf. Finanziert wird das Projekt in der zweijährigen Probephase durch Förder- und Spendengelder, unter anderem von der Aktion Mensch.

Anhand einer Anleitung sollen die Schüler selbstständig die Aufgabe in 20 Minuten lösen. Jannik (14) macht am Fleischwolf beim Erstellen von Bratwurst eine ganz gute Figur, wirkt ganz konzentriert. "Das gefällt mir gut. In der Schule kriegt man immer nur ein Blatt vor die Nase gesetzt. Hier kann man mal was machen", sagte der Realschüler. Metzger kann er sich allerdings nicht als Beruf vorstellen. Die Aufgaben im Elektronikbereich haben ihm besser gefallen.

Zum Abschluss des Projekts durchlaufen die Schüler dann im nächsten Jahr ein Assessment-Center. Zusammen mit der Erlebnispädagogik des ersten Teils werden alle Bereiche abgedeckt. Damit das Projekt langfristig fortgeführt werden kann, bedarf es jährlich rund 150 000 Euro.

Quelle: RP
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