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Remscheid
Im Zeichen des Kreuzes

Das Kreuz -Ein Symbol in seiner Vielfalt
Das Kreuz -Ein Symbol in seiner Vielfalt FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Remscheid. Ich bin kein Kirchgänger. Den Sonntagmorgen verbringe ich gerne mit Laufen und einem gemütlichen Frühstück mit meiner Frau. Zehn Uhr Gottesdienst - das passt nicht in meinen Kalender. In religiösen Dingen betrachte ich mich dennoch nicht als musikalisch unbegabt. Von Christian Peiseler

Aber ein echtes Bedürfnis, in einer Kirche den Ausführungen eines Pfarrers über eine Bibelstelle zu folgen, verspüre ich nicht. Schon lange nicht mehr. Die Matthäuspassion von Bach liegt mir näher als die Exegese eines Gemeindepfarrers. Ich respektiere die evangelische Kirche mit skeptischer Zurückhaltung und glaube, mit meinen Kirchensteuern ein gutes Werk zu tun. Ein Austritt käme für mich nicht in Frage. Es würde mich schmerzen, kein Mitglied der Kirche mehr zu sein. Insofern bin ich auch kein Kandidat für die rote Kirchenbank, auf der jene Leute Platz nehmen, die mit Pfarrer Friedhelm Krämer über einen Wiedereintritt sprechen. Die Ernsthaftigkeit der Motive für eine Rückkehr sollen geprüft werden. 17 Personen sind im vorigen Jahr der evangelischen Kirche wieder beigetreten. Mit einer Reise in die Vergangenheit lotet Krämer die Gründe für den Austritt aus. "Mit dem Glauben hat das häufig gar nicht viel zu tun", sagt Krämer.

Ärger über "Gottes liebes Bodenpersonal" gehöre zu den häufigsten Gründen, noch vor Geldüberlegungen oder "Zeitgeisterscheinungen", wie Krämer sagt. Meist sind es ältere Personen, die einen Antrag auf Wiedereintritt stellen. Ist es die Angst vor dem Tod und der Wunsch nach einer christlichen Beerdigung, die diesen Schritt veranlassen? "Diese Motive spielen eine völlig untergeordnete Rolle", sagt der Pfarrer. Der Wille, wieder zu einer Glaubensgemeinschaft zu gehören sei der entscheidende Antrieb. So wie im Falle des Großvaters einer 14-jährigen Konfirmandin. Die Enkelin sprach den älteren Herrn, der seit Jahren mit der Kirche nichts mehr am Hut hatte, auf ihren Konfirmationstermin an. "Wenn du mitfeiern willst, musst du in die Kirche eintreten", sagte die Enkelin. Der Großvater ließ sich überzeugen. An der Ernsthaftigkeit seines Wiedereintritts hegte Krämer keinen Zweifel. Ein Wiedereintritt ist von Krämer noch nie abgelehnt worden. Jedes zurückgekehrte Gemeindeglied tut der Kirche gut. Denn die Zahl der Austritte lag im vorigen Jahr bei 552. Elf davon im Alter zwischen 16 und 20 Jahren. 164 Personen zwischen 21 und 30 Jahren.

Erreicht die Kirche die junge Generation nicht mehr? "Am siebten Tag war Gott fertig mit seinem Kreativ-Projekt, fand das Ergebnis genial und beschloss ab jetzt zu chillen" (1. Mose 2,1-3). Rolf Haumann, Jugendreferent des Kirchenkreises Lennep, verschenkt gerne an Konfirmanden und Jugendliche das Bibel-Exemplar "Und Gott chillte". Mit der alten Lutherbibel erreiche man die jungen Leute von heute nur schwer. "Wir wollen aber an den Jugendlichen dranbleiben", sagt Haumann. Im Pädagogendeutsch heißt das, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie stehen, und sie für die Dinge der Kirche zu interessieren, auch nach dem Konfirmandenunterricht. In einer Sprache, die die Jugendlichen verstehen. Das altertümliche Sprechen würde eher verschrecken. Junge Menschen hätte immer Fragen nach dem Sinn des Lebens, sagt Haumann. Auch nach dem Konfirmandenunterricht. Deshalb bieten Gemeinden Jugendfreizeiten an, in denen auch Glaubensfragen diskutiert werden. Die Festigung im Glauben soll einhergehen mit der Vermittlung eines lebendigen Gemeindelebens.

Nach meiner Konfirmation hatte ich keine Lust mehr auf Kirche. Das war in den 70er Jahren. Das erschien mir alles sehr eng und zu moralisch. Seit Jahren habe ich mal wieder einen Gottesdienst besucht in der evangelischen Stadtkirche in Remscheid. Die Kirche meiner Jugend, in der ich konfirmiert wurde. Gut 50 Leute saßen in den Kirchenbänken und hörten den Ausführungen von Pfarrer Siegfried Landau zu. Ich habe mich wohlgefühlt, obwohl ich beim Gesang der Kirchenlieder keine sonderliche Verstärkung für die Gemeinde bin. Ich fremdel heute noch bei dieser angestrengten Fröhlichkeit, die ich bei Kirchendauerbesuchern entdecke. Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, an dem ich aus freien Stücken an einem Sonntagmorgen meine Kirche besuche, anstatt durch den Wald zu laufen - Rückkehr ohne Wiedereintritt nicht ausgeschlossen.

Der Kirchenkreis Lennep verliert jedes Jahr durch Austritte Gemeindeglieder. Manche kehren wieder zurück.

Quelle: RP
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