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Remscheid
Immer mehr Frauen machen den Jagdschein

Remscheid: Immer mehr Frauen machen den Jagdschein
Typische Szene? Auf dem Hochsitz spähten früher fast nur Männer in die Umgebung, heute erobern Frauen die Jagdreviere. FOTO: Dörner (archiv)
Remscheid. Die Remscheider Kreisjägerschaft bietet einen neuen Lehrgang an. Er umfasst viele Themengebiete, praktische Übungen und Exkursionen. Junge Menschen entdecken ihr Faible für die Jagd. Von Stefanie Bona

Auch an der Jagd kann man den Zeitenwandel erkennen. Nicht nur, dass die Aufgaben der Jäger und vor allem der Jagdpächter umfangreich und vielfältig sind. Auch der Personenkreis, der die Jagd für sich entdeckt hat, ist ein anderer als vor 30 Jahren. "Die Zukunft der Jagd ist jung und weiblich", stellt Stephan Hertel, Vorsitzender der Remscheider Kreisjägerschaft, mit Blick auf die Teilnehmer der Vorbereitungskurse auf die Jagdscheinprüfung fest.

Zunehmend junge Leute - darunter immer häufiger Mädchen - seien an der Jagdausübung interessiert und dafür bereit, viele Stunden Zeit in die Ausbildung und für den Jagdlehrgang zu investieren. Oft werde das Interesse natürlich durch die Familie geweckt, wo Vater oder Großvater Jäger seien. Manchmal kämen Mutter und Sohn oder die Ehefrau wolle nun endlich mit ihrem Mann auf die Jagd gehen. "Das Gros der Teilnehmer ist zwischen 16 und 25 Jahren alt und die Gruppe der jungen Jäger wächst. Wir kommen also nicht aus der Mode", ist Hertel um die Zukunft der Kreisjägerschaft nicht bange. Dabei räumt er mit Nachdruck mit dem Vorurteil auf, Jagen sei "nur Tiere zu schießen". Jagd sei ein Naturerlebnis und ginge mit der Verpflichtung zur Biotoppflege und Wildhege einher. "Das wird heute viel zu wenig gewürdigt", findet der Jurist.

Wer den Jagdschein erlangen will, wird in einem 120-stündigen Lehrgang auf die Prüfung vorbereitet, die in Nordrhein-Westfalen einmal im Jahr durchgeführt und vor Ort durch die Untere Jagdbehörde der Stadt Remscheid abgenommen wird. Zu den Unterrichtsstunden kommen noch diverse praktische Übungen und Exkursionen, wie Wald- und Reviergänge, eine Fahrt zu einer Greifvogelstation in der Eifel oder Hundevorführungen. Das Zerwirken - also das Zerlegen - von Wild, die Wildbrett-hygiene, der Hochsitzbau, Unterrichtseinheiten zu Land- und Waldbau seien obligatorisch.

Genauso gehöre die Rechtskunde mit Inhalten zu Jagd-, Landschafts-, Forst-, Naturschutz- und Umweltrecht zur Prüfungsvorbereitung. "Unsere angehenden Jäger werden zu Naturschutz-Fachleuten ausgebildet", betont Hertel. Der verbreitete Begriff vom "Grünen Abitur" sei demnach kein geflügeltes Wort. Verschiedene Dozenten - ausnahmslos Fachleute auf ihren Gebieten - werden im Lehrgang eingesetzt. "Und das alles geschieht ehrenamtlich."

Besondere Sorgfalt liege auf der Schießausbildung an Büchse und Flinte, die ebenso mit einer Prüfung zum Abschluss gebracht werde. Der erfahrene Schießobmann Karl-Heinz Wette schule die Lehrgangsteilnehmer nicht nur im Schusswaffengebrauch, sondern genauso in den Vorgaben zu Transport und Aufbewahrung. Selbstverständlich sei auch das Schusswaffenrecht Thema. Wie verhindert die Kreisjägerschaft Remscheid, dass jemand dem Bereich Schießen mehr Interesse widmet, als eigentlich gesund ist? "Wenn wir feststellen, dass sich jemand zum Waffenfreak entwickelt, sortieren wir aus. Das wollen und können wir uns nicht leisten", macht der Rechtsanwalt unmissverständlich deutlich.

Oberstes Ziel sei somit, den angehenden Jägern eine "grundsolide Ausbildung" zu ermöglichen, um sie bestmöglich auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Dass jemand sich der Jagd, dem Umgang mit Natur, Mensch und Tier nach einem "Vier-Wochen-Kursus" verantwortungsvoll widmen könne, sei unmöglich. Daher nehme man sich für den Lehrgang rund ein halbes Jahr Zeit.

Quelle: RP
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