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Remscheid
Ingo Appelt spielt mit der Schamgrenze

Remscheid: Ingo Appelt spielt mit der Schamgrenze
Ingo Appelt hatte das Publikum in der Klosterkirche gut im Griff. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Das Publikum in der ausverkauften Klosterkirche feierte den selbsternannten Konkursverwalter der Männlichkeit. Von Bernd Geisler

Wenn es schon in der Vorankündigung zu Ingo Appelts neuem Programm "Besser... ist besser!" heißt, dass es auch diesmal "ganz ohne Sauereien nicht geht", dann wussten seine Fans, worauf sie sich am frühen Sonntagabend in der Klosterkirche freuen durften: "Das ungehemmte Anfassen von Themen, die andere beschämt links liegen lassen."

Das Schämen ist Ingo Appelt so fremd wie einer Kuh das Singen. Das ist kein Kompliment. Die Frage blieb auch im Raume hängen, ob sich vielleicht jemand im ausverkauften Hause für Appelt schämte. Angesichts des schallenden Lachens, das im zweiten Teil des Appelt-Auftritts nahezu auf jeden Satz folgte, darf das bezweifelt werden. Egal, welche ekligen Bilder der "selbst ernannte Konkursverwalter der Männlichkeit" (Vorankündigung) in den Köpfen seines Publikums erzeugte - die Leute kringelten sich.

Sie klebten an Appelts frivolen Lippen. Sie schienen einen nicht enden wollenden Appetit auf seine zotigen Sprüche zu haben.

Natürlich hat der Mann Fähigkeiten. Er schafft es mühelos, die Fantasie seines Publikums anzuregen, und er kann sehr gut andere Leute (Grönemeyer, Lindenberg, Schweiger, Merkel) imitieren. Grandios anzusehen bei Till Schweiger als Tatort-Kommissar. Appelt spricht sehr schnell - aber dafür jeden Satz zwei Mal - und weiß trefflich Pausen zu setzen.

Und er beherrscht vor allen Dingen diese demagogische Fähigkeit, irgendwann die Masse der Leute so in seinen Bann gezogen haben, dass sie alles mitmachen, was er will. Und in Folge über jeden Tropfen seiner schmierigen Appelt-Mayonaise lachen. Die Lacherfolge geben ihm recht. Wer zu Ingo Appelt geht, will sich offensichtlich genau so amüsieren. Nicht jeder hat denselben Humor, Geschmack ist dehnbar. Die Imitation des Herbert Grönemeyers, der auf dem Klo sitzt und drückt und dem dann beim Anschauen des Ergebnisses die Curry-Wurst für den nächsten Song einfällt, lieferte dem Lärmpegel nach einen der besten Brüller des Abends.

Ähnlich das detailliert bis zur letzten Hautfalte beschriebene Bild "Auslaufen" nach dem Sex. Alle anderen Zoten sind nicht druckbar. Seit dem letzten beobachteten Auftritt Ingo Appelts in der Klosterkirche im März 2008 ist in seinem Programm gar nichts "besser" geworden.

Quelle: RP
 
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