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Remscheid
Initiative will Sprachkurse auch in Notunterkünften

Remscheid. Alle sind sich einig: Flüchtlingen so schnell wie möglich Deutsch beizubringen, ist gut. Doch so einfach ist das gar nicht. Von Lisa Kreuzmann

Solange Flüchtlinge noch im Asylverfahren stecken, haben sie kein Recht auf die vom Bundesamt für Migration und Integration (BAMF) finanzierten Integrationskurse. Doch bis ein Asylantrag entschieden wird, vergehen viele Monate; die Kommunikation in den Heimen bleibt schwierig. Die Remscheider Initiative "Deutsch von Anfang an" will das ändern, und Flüchtlingen schon viel früher Deutsch beibringen. Denn "Sprache ist das Nonplusultra", sagt Initiatorin Barbara Kempf. Die Gruppe hat sich aus Freiwilligen gefunden, die in der Notunterkunft Hölterfeld in Hasten Essen ausgibt. Da kam die Idee, eigenständig auch Sprachkurse zu stemmen, um den Menschen näher zu kommen und sie von Anfang an in die Gemeinschaft einzubinden.

Am Sonntag kommen die Freiwilligen zusammen, um Lehrinhalte und Zeitpläne zu bestimmen. Doch je konkreter die Idee wird, umso bewusster wird den Initiatoren: Das wird eine große Aufgabe. Dabei ist die Suche nach einem freien Raum in der Schule trotz Schwierigkeiten bereits gelungen. Die Stadtverwaltung unterstützt die Initiative organisatorisch. Auf Spenden sei man trotzdem angewiesen, sagt Barabara Kempf. Doch es sind auch die ganz praktischen Dinge, die die ehrenamtlichen Deutschlehrer beachten müssten. Welche Nationalitäten und Ethnien können zusammen in einem Klassenzimmer sitzen, wie schnell lernen die Menschen, welche Voraussetzungen bringen sie mit? In jeder Klasse müssten außerdem mindestens zwei Flüchtlinge sein, die auch Englisch können. Und auch die Lehrinhalte und die Qualifikationen der Lehrer sind eine Herausforderung. Nicht alle trauen sich zu, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. "Dafür braucht es ein Konzept", sagt Daniela Krein vom Verein BAF, der die Unterbringung der Flüchtlinge in der Stadt regelt. Das "Thannhauser Modell", erstellt von bayrischen Deutschlehrern, sei mit zwölf Kapiteln jedoch zu umfangreich für die Notunterkunft, denn hier bleiben die Asylsuchenden inzwischen nur noch etwa drei Wochen. Die Initiatoren müssen sich somit täglich auf neue Teilnehmerzahlen einstellen. Ursprünglich haben sich 189 Bewohner für den Sprachkurs angemeldet. Doch die Zahl der Flüchtlinge ändert sich täglich, derzeit kommen etwa 50 bis 100 pro Woche in Remscheid an, sagt Daniela Krein. Auch Barbara Kempf weiß: "Wenn wir alle unsere Lehrer zusammen haben, müssen wir schon wieder eine neue Umfrage machen."

Tel: 0151 04715572 (Kempf)

Quelle: RP
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