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Remscheid
Ist diese Volkstrauer noch zeitgemäß?

Remscheid. Kranzniederlegungen an Kriegs- denkmälern zum Volkstrauertag erstarren zunehmend zum Ritual. Immer weniger Menschen kommen. Remscheider Organisatoren suchen neue Formen des Gedenkens, die auch junge Menschen einbeziehen. Von Stefanie Bona

Mitarbeiter der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) säuberten gestren Vormittag das Gelände rund um das Ehrenmal an der Albert-Schmidt-Allee. Sie befreiten Platz und Wege vom Laub, damit die Anlage am Volkstrauertag gepflegt aussieht. Stellt sich nur die Frage: Für wen überhaupt wird dieser Aufwand getrieben? Denn die Vereine, die in den Stadtteilen die Gedenkstunden auch für den kommenden Sonntag organisieren, bemerken Jahr für Jahr, wie die Resonanz aus der Bevölkerung abnimmt.

"Nach jedem Volkstrauertag kommt bei uns in den Vorstandssitzungen die Diskussion wieder auf, ob wir's überhaupt noch machen sollen", sagt Roland Kirchner vom Verkehrs- und Förderverein Lennep nachdenklich. Es kämen zum Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege kaum Besucher. Offizielle Abordnungen von Polizei, Feuerwehr und Wohlfahrtsverbänden blieben mit den Sängern und Musikern, die die musikalische Gestaltung übernehmen, unter sich. Zudem werde es immer schwieriger einen Redner zu finden, der bereit sei, ein paar offizielle Worte zu sprechen. "Zum Beispiel wissen wir heute noch nicht genau, wer denn bei der Gedenkstunde an der Albert-Schmidt-Allee etwas sagen wird", sagt Kirchner. Die Pfarrer und Pfarrerinnen seien sonntags sehr stark eingebunden und hätten keine Zeit. Aus ihren Reihen habe es sogar eine ablehnende Stimme gegeben. Eine Veranstaltung derart "alter Coleur" wolle man nicht mehr in dieser Weise mitgestalten, lautete das Argument eines Kirchenmannes. Der Pfarrer habe vorgeschlagen, stattdessen einen Gottesdienst zu feiern, zu dem der Verkehrsverein dann ebenso einladen könnte wie zu der Gedenkstunde. "Vielleicht ist das eine Alternative, allerdings kämen wir dann von der Feierstunde am Ehrenhain weg", sagt Roland Kirchner.

In Lüttringhausen sieht das Bild nicht anders aus. Dort hält der Heimatbund als organisierender Verein die Veranstaltung nicht mehr in der Kapelle des evangelischen Friedhofs ab, sondern bittet stattdessen zu einem kurzen Innehalten mit Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Friedhofsgelände. "Es sind immer weniger Leute gekommen, die Interesse daran hatten", bestätigt Vereinsvorsitzender Peter Maar. Reden wird dort Lüttringhausens Bezirksbürgermeister Andreas Stuhlmüller. Auch er hat in den vergangenen Jahren bemerkt, "dass mehr Aktive unter den Besuchern sind als Bürger." Dabei sei das Thema "Krieg und Vertreibung" heute so aktuell und in den Medien präsent wie lange nicht mehr. Gerade deshalb sei es vielleicht eine Möglichkeit, neue Wege rund um den Volkstrauertag zu gehen. "Man müsste den Kontakt mit den Schulen suchen und vielleicht eine Unterrichtsreihe daraus machen. Die Schüler könnten dann die Feierstunde aktiv mitgestalten", sagt Stuhlmüller und sucht nach Wegen, die junge Generation ins Boot zu holen.

Auch Roland Kirchner sieht den Sinn des traditionellen Gedenktags darin, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. "Zeitzeugen werden immer weniger. Daher ist es die Aufgabe der heutigen Elterngeneration, den Dialog mit jungen Menschen über dieses Thema wach zu halten."

Quelle: RP
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