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Remscheid
Jazz-Freund und Meister des schnellen Strichs

Remscheid. Ausstellung und Konzert erinnern an den verstorbenen Musiker und Zeichner Wolfgang Heitmann. Von Stefanie Bona

Es wäre jammerschade, wenn diese Erinnerungen an ein durch und durch künstlerisches Leben sang und klanglos in Kisten und Kartons verschwunden wären. Das wäre aber beinahe passiert, wenn sich nicht Brigitte Schmitz mit dem Nachlass von Wolfgang Heitmann intensiv beschäftigt hätte. Als Freundin stand sie dem im Jahr 2015 verstorbenen Musiker, Komponisten und Musikschullehrer zur Seite, sie sichtete und sortierte nach seinem Tod die hinterlassenen Noten, Dokumente, Zeichnungen und Tonaufnahmen.

An die Vielseitigkeit Heitmanns, der bis 2005 stellvertretender Leiter der Musik- und Kunstschule Remscheid war, soll nun noch einmal in einer Ausstellung in der Zentralbibliothek Remscheid erinnert werden. In Vitrinen und an Schauwänden zeigen verschiedene Betätigungsfelder, wie kreativ Wolfgang Heitmann Gedanken und Impulse aufgriff. Seine Kompositionen und Arrangements veröffentlichte der Remscheider Musikverleger Wolf-Dietrich Hörle, es gibt zudem zahlreiche musikdidaktische und -theoretische Schriften. Ebenso war Heitmann ein begabter Zeichner, der zunächst witzige Karikaturen mit der Hand, später am Computer erstellte. Blitzschnell habe der Dinge erfasst und sie in Bild, Musik oder Sprache umgesetzt, erinnert sich Brigitte Schmitz. Legendär sind seine mit wenigen Strichen gestalteten Musikinstrumente.

Genauso widmete er sich dem jeweils aktuellen politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen. Manche Zusammenhänge erschließen sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick, dabei wird sein hintergründiger Humor und zuweilen sein spöttischer Unterton deutlich. Schallplatten- und CD-Aufnahmen und Notenblätter erinnern an unvergessliche Auftritte aller Musikschulensembles. "Sein Ziel war, alle einzubinden - vom Blockflöten-Anfänger bis zum angehenden Jazz-Musiker", erzählt Brigitte Schmitz.

Im Jazz war Wolfgang Heitmann zu Hause. Unter anderem initiierte er Mitte der siebziger Jahre das Remscheider Jazzfestival und in späteren Jahren beliebte Jazz-Matineen. Brigitte Schmitz verhehlt nicht, dass ein derart kreativer Kopf im Umgang nicht immer einfach gewesen sei. Sein künstlerisches Lebenswerk solle aber nicht in Vergessenheit geraten. Daher hat sie Kontakte geknüpft, damit Schriften, Aufnahmen, Bücher und Zeichnungen etwa in verschiedenen Hochschulbibliotheken dauerhaft der Nachwelt erhalten bleiben. Möglicherweise könne sich ein Student im Rahmen seiner Masterarbeit mit Heitmanns komplexem Werk auseinandersetzen. Die Ausstellung wird am Dienstag um 19.30 Uhr im Foyer der Zentralbibliothek, Scharffstraße 4-6, eröffnet. Auch das Konzert am morgigen Sonntag um 17 Uhr in der Pauluskirche Hasten, Büchelstraße 47a, erinnert unter dem Titel "Porträt eines musikalischen Außenseiters" an Wolfgang Heitmann.

Quelle: RP
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