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Remscheid
Jazz-Lokomotive spielt unter Volldampf

Remscheid. Die Birmingham Big Band in der Konzertmuschel im Stadtpark auch zwei Stücke von Les Searle. Von Bernd Geisler

Eine renommierte englische Big Band macht während ihrer Tournee durch Europa auch in Remscheid Halt. Das allein ist schon bemerkenswert. Wenn diese Big Band aus Birmingham neben bekannten Komponisten und Arrangeuren der letzten 30 Jahre wie etwa Bob Florence, Sammy Nestico, Rob McConnell, Tom Kubis, Frank Mantooth und Gordon Goodwin auch zwei Stücke des Wermelskircheners Les Searle spielt - dann ist das schon etwas Besonderes.

Nun ja, Les Searle ist in der Nähe von Birmingham geboren. Aber er lebt bereits seit Jahrzehnten in Dhünn, ist also ein "Dahergelopener und Dahiergebliebener". Darüber hinaus ist er bei allen Jazzfreunden in der Umgebung bekannt wie ein Hund im englischen Karomuster. Natürlich hat er die Verbindung nach England nicht abreißen lassen. Dank seiner Hilfe kam so das Konzert am Samstagnachmittag im Remscheider Stadtpark zustande.

Um es vorwegzunehmen: Die Mühe hat sich über alle Maßen gelohnt. Fünf Trompeten, vier Posaunen, fünf Saxofone, Keyboard, Bass und Schlagzeug produzierten im wahren Sinn des Wortes einen "Big" (großen) Band Sound, der aus der Konzertmuschel den Zuhörern entgegen wuchtete wie eine unter Volldampf stehend Lokomotive.

Dabei ließ sie aber auch die feinen, zarten Töne nicht missen. Nur mit aufgeblähten Wangen ins volle Blech blasen, mag jede Band können. Nur zarte, effektvolle Töne ins Mundstück wispern, ist schon schwerer, aber erst wispern, dann anschwellen, immer lauter werden und schließlich erschallen, um Mauern einzustürzen - das ist die große Kunst einer Big Band. Ihr Sound lebt von der Dynamik der leisen und lauten Töne, von messerscharfen Einsätzen druckvoller Bläser und von rasanten Solos. Nicht zu vergessen die einschmeichelnden Melodien, bei denen Frauen seufzen und Männer ins Träumen kommen.

Nun mag der Brite an sich als unterkühlt gelten. Nicht so aber die Musiker der Birmingham Big Band. Sie legten sich im Stadtpark wahrlich ins Zeug. Ihr Auftritt ließ Klischees über Briten verblassen. Bereits ihr erstes Stück, das allseits bekannte "When You Smile", intonierten sie derart mit intensivem Klang, zackiger Dynamik und gepflegter Swing, dass der eigene Ton der Band hörbar wurde: jazzige Deutlichkeit durch modern arrangierte und gespielte Evergreens. Aber auch die vergleichsweise "jungen" Stücke von Les Searle - "Predestinato" und "Offshore" - passten nahtlos ins Repertoire.

So, wie die Birmingham Big Band unter Bandleader John Ruddick sie spielte, klangen sie genau so zeitlos wie der Rest des Konzerts. Damit erwies die Band dem Komponisten eine beachtliche Ehre und machte allen in und vor der Konzertmuschel eine große Freude.

Quelle: RP
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