| 00.00 Uhr

Remscheid
John Doyle erlebt gerne alles als "Wahnsinn"

Remscheid. Die Besucher des Rotationstheaters lieben John Doyle und seinen Humor. Der Raum ist randvoll mit froh gestimmten Menschen, Vorfreude liegt in der Luft. Sie löst sich im Laufe des Abends oft in tosendes Gelächter auf. John Doyle scheint der beliebteste Amerikaner in Lennep zu sein. Oder ist es (immer noch) Chris Howland? Egal, Howland ist tot, es lebe Doyle.

Der 52-Jährige ist ein "Stand-up-Comedian". Er erzählt, wie er ganz persönlich mit dem Leben fertig wird. Ein Amerikaner, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt, hat es da leicht. Er braucht sich nur mit US-amerikanischem Blickwinkel zu wundern und schon wirkt er komisch. Die Deutschen sprechen ihn etwa an und fragen ihn nach seiner Meinung. Selbstverständlich als Amerikaner. Und Doyle fühlt sich in die Rolle des Pressechefs der Regierung der USA gedrängt. Was fällt ihm dabei ein? Eigentlich nur zwei Worte: "F... you!" Aber das sagt er natürlich seinem Gegenüber nicht, das sagt er nur als Comedian. Und zwar im Rotationstheater pausenlos. Er darf das, er hat das Recht auf seine Muttersprache. Und je öfter es sagt, desto harmloser klingt es. So wie "hör' zu" oder "nanu". Alles, was Doyle sieht und erlebt, ist "voll der Stress". So lautet sein Programm. Gut gewählt, Mr. Doyle. Stresssituationen empfindet jeder Mensch individuell - also enthält sein Stand-up-Programm alles, was ihn verblüfft, verwirrt und verduzt. Von Pubertät und 21 Jahre Ehe über Thai-Massage, Botox-Lippen, Parship-Suche, String-Tanga bis zum Besuch des Zahnarztes. "Stand-up" ist übrigens nicht wörtlich zu nehmen: Den zweiten Teil seines Programms verbringt Doyle beim Blättern im Sitzen. Sein Programm ist ein "Preview" - also ein Live-Test neuer Gags mit Publikum. Die Gags sucht er in einem Schnellhefter, der augenscheinlich neue Gags enthält. Das wirkt unvorbereitet wie die Suche nach Kalauern in einem Witzlexikon. Gleichwohl zünden die humorigen Witzblitze im Publikum. Obwohl einige so neu gar nicht sind: etwa die Schwierigkeiten eines 50-jährigen Männerhinterns mit einem Stringtanga, die missverständliche Bezeichnung "Outdoor-Auto", die Probleme mit dem pubertierenden Sprössling oder der Dialog mit dem inneren Schweinehund. Egal, alles umrahmt Doyle mit dem Wort "Wahnsinn". Es war neben "f..." das Füllwort des Abends. Damit wird dieser tatsächlich zum "voll der Stress", aber für den wortgetreuen Zuhörer. Weiß Doyle mal nicht weiter, nimmt er sich die Besucher aufs Korn. Und die machen alle bereitwillig mit bis auf einen 13-Jährigen, den er nach seinem Sexualleben befragt. Das war äußerst peinlich.

(bg)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: John Doyle erlebt gerne alles als "Wahnsinn"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.