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Remscheid
Jugendliche erzählen von ihrer Flucht aus Eritrea

Remscheid. Schüler der Sophie-Scholl-Gesamtschule widmen sich dem Thema "Menschenrechte, Flucht und Fluchtursachen". Von Cristina Segovia-Buendía

Schüler der Sophie-Scholl-Gesamtschule starteten gestern mit einem neuen Schulprojekt zum Thema Menschenrechte, Flucht und Fluchtursachen. Zum Auftakt des nun schon dritten fach- und klassen-übergreifenden Großprojekts sprachen sie mit zwei jungen Männern aus Eritrea, die über ihr persönliches Schicksal erzählten.

Es fiel ihnen schwer, vor den rund 200 Schülern über die schlimmen Dinge zu berichten, die sie in ihrem Leben erfahren mussten. Belay Alembrhan (25) und Berihu Welday (28) bedankten sich, durch ihren Dolmetscher Awet Kessete (40), dennoch für diese Gelegenheit: "Auch wenn es schwerfällt, darüber zu reden, weil Gefühle hochkommen, uns ist es wichtig, euch zu erklären, was in unserem Land geschieht und warum wir fliehen mussten." Alembrhan wohnt seit einem Jahr und drei Monaten in Wuppertal, Welday seit zwei Jahren dort. In Eritrea, einem kriegsgebeutelten Land, von einem totalitären Regime geführt, mussten sie alles zurücklassen: "Leicht war es nicht, aber wir haben keinen anderen Ausweg gesehen." Alembrhan wurde mit 14, Welday mit 17 Jahren zum Militärdienst eingezogen. "In Eritrea muss man als Mann sein ganzes Leben beim Militär bleiben."

Selbst Frauen würden gezwungen und müssten - sofern sie noch keine Kinder haben - bis zu ihrem 45. Lebensjahr zum Militär. Bei den vorherrschenden Konflikten müssen sie täglich mit dem Tod rechnen. "Und wenn man versucht, sich zu wehren und dem Militärdienst zu entkommen, wird man verhaftet und gefoltert."

Auf ihrer mehrmonatigen Fluchtroute über Äthiopien, Sudan und Libyen bis nach Italien entkamen sie mehrmals dem Tod. "Hattet ihr nie das Bedürfnis, einfach aufzugeben?", fragte ein Schüler sichtlich betroffen. "Es gab nur zwei Alternativen: Tod oder Erfolg. Viele Menschen sind beim Versuch zu fliehen gestorben. Ich bin froh, heute unter euch sein zu dürfen", antwortete Welday.

Ein ganzes Schuljahr werden sich die Schüler verschiedener Jahrgangsstufen mit dem Thema "Menschenrechte, Flucht und deren Ursachen" befassen. Dabei können künstlerische Arbeiten, literarische Texte, vielleicht sogar multimediale Erzeugnisse wie gefilmte Interviews entstehen.

"Ziel des Langzeitprojekts ist, die Schüler zu sensibilisieren, sie zu informieren und aufzuklären", erklärte Lehrerin Renata Adams. Angesichts der brodelnden Stimmung in unserer Gesellschaft sei das nötig. Schließlich gehöre es zur allgemeinen Demokratiebildung der Schüler dazu, fügte Lehrer Peter Koch hinzu: "Da hat Schule einen klaren Auftrag, um rechten Gedankengut entgegenzuwirken und unsere Demokratie zu verteidigen."

Quelle: RP
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