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Burkhard Mast-Weisz
"Kalt erwischt" bei Streit um Kunstrasen

Remscheid. Der DOC-Zeitplan birgt finanzielle Risiken durch steigenden Baukosten, sagt Remscheids Oberbürgermeister. Noch sei unklar, ob die Lenneper Vereine sich finanziell an der neuen Sportanlage in Hackenberg beteiligen müssen.

Herr Mast-Weisz, im Internet-Forum Pro DOC Lennep wurde das Millionenprojekt in dieser Woche mit dem Berliner Flughafen verglichen. Passt der Vergleich?

Mast-Weisz Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, wir sind voll im Zeitplan. Ich gehe fest davon aus, dass der Rat am 13. Dezember die letzten Beschlüsse fasst. Im ersten. Quartal 2017 wird der Bebauungsplan veröffentlicht, dann besteht Baurecht. Theoretisch könnte dann mit dem DOC begonnen werden. Wir wissen aber nicht, ob geklagt wird und von wem. Alles was danach kommt, liegt nicht in unserer Hand, hat aber großen Einfluss auf die Zeitpläne. Derzeit sind darum alle Eröffnungstermine reine Spekulation.

Was heißt das konkret?

Mast-Weisz Wenn keiner klagt, dann kann im Frühjahr angefangen werden.

Und wenn einer klagt?

Mast-Weisz Dann gibt es unterschiedliche Fristen. Eine Klage gegen die Baugenehmigung hat eine Monatsfrist. Für eine Klage gegen den Bebauungsplan gilt eine Jahresfrist. Aber das wissen wir alles jetzt noch nicht. Ich will jedenfalls, dass dieses Projekt so schnell wie möglich umgesetzt wird.

Aber wir wissen doch, dass die Stadt Wuppertal gegen das DOC klagen will. Klammern Sie diese Variante aus?

Mast-Weisz Wuppertal hat eine Klage angekündigt. Ich gehe davon aus, dass sie es tun. Aber genau wissen wir das erst, wenn sie eingereicht wird. Wir warten das alles in Ruhe ab.

Was ist mit den Kosten? Reicht der Kaufpreis von 15 Millionen Euro für alle Verlagerungen in Lennep aus?

Mast-Weisz Das größte Paket sind die Sportstätten. Die Kosten dafür sind mit 10,6 Millionen Euro gedeckelt. Wir sind noch nicht ganz durch mit den Berechnungen. Es liegt momentan eine Kostenberechnung vor. Im ersten Quartal 2017 können wir verbindlichere Aussagen treffen. Wichtige Punkte sind die Stellplätze und die Größe des Baukörpers. Und es gibt auch Känale und Nahwärmeleitungen, die unter dem Gelände liegen. Es gibt auch Risiken. Die Festsetzung des Kaufpreises mit McArthurGlen liegt drei Jahre zurück. Seitdem ist der Baukostenindex gestiegen. Je mehr sich der Baustart nach hinten verschiebt, desto mehr wird der Kostenindex anziehen. Im Rathaus gibt es aber die klare Prämisse, mit dem Geld auszukommen.

Nun taucht plötzlich die Frage auf, ob sich die Sportvereine an den Kosten für die Kunstrasenplätte in Hackenberg beteiligen müssen.

Mast-Weisz Ich stehe hier von einem gordischen Knoten. Erstens: Es stand nie in der Diskussion, dass die Vereine in Hackenberg sich finanziell beteiligen. Zweitens: Nachdem der Sportbund das Thema angesprochen hat, haben sich die Vereine aus Reinshagen gemeldet, die als Nächste am Kunstrasenprogramm teilnehmen. Sie wollen wissen, ob sie noch einen Eigenanteil zahlen müssen. Und um es richtig kompliziert zu machen, gibt es nun auch kritische Fragen von den Vereinen, die in der Vergangenheit schon Eigenleistungen erbracht haben.

Aber kann man das vergleichen? Der Abriss des Röntgen-Stadions war ja nicht der Wunsch der Vereine.

Mast-Weisz Ich habe mich in dieser Frage noch nicht festgelegt. Wir sind noch in der Diskussion. Fest steht doch, wir legen am Hackenberg bei zwei Vereinen etwas drauf. Wir schaffen mehr als adäquaten Ersatz. Die SG Hackenberg war schon lange vorher mit dem Wunsch nach einem Kunstrasenplatz auf uns zugekommen.

Hätten Sie das den Vereinen nicht vorher sagen müssen ?

Mast-Weisz Ich bin da ganz offen. Über diese Frage hatten wir bis zu der Diskussion im Sportausschuss im Sommer nicht nachgedacht. Bei den vielen hoch komplizierten Gedanken rund um das Projekt DOC war das vorher kein Thema. Das Thema hat uns kalt erwischt.

Jetzt kommt der Verdacht auf, dass die Vereine die Kostenlücke bei der Baufinanzierung schließen sollen.

Mast-Weisz Nein, so ist es nicht. Wenn wir Finanzprobleme bekommen, werde ich das offen sagen. Die Planung selber wird aber nicht in Frage gestellt. Ich weiß die Arbeit der Lenneper Vereine sehr zu schätzen. Wir werden mit möglichen Finanzproblemen nicht die Vereine belasten. Was wir zugesagt haben, das bauen wir auch.

Wo kommt das zusätzliche Geld her?

Mast-Weisz Darüber würde ich mit der Politik reden müssen, wenn der Fall tatsächlich eintritt.

Es mehrt sich die Kritik, dass die DOC-Planung alle anderen Projekte in der Stadt überlagert.

Mast-Weisz So ist es nicht. Aber das DOC ist schon ein Riesenprojekt. Und das bindet eine Menge Kapazitäten. Es kann doch nicht sein, dass die gleichen Leute, die sagen, wir wollen das DOC, nun so tun, als ob wir den ganzen Tag hier die Füße auf dem Tisch haben. Es kann passieren, dass andere Dinge nicht in der üblichen Geschwindigkeit erledigt werden können. Aber ich darf daran erinnern, dass wir seit Jahren in der Verwaltung Stellen abbauen. Fakt ist: Das DOC ist ein superspannendes Zukunftsprojekt, das viel Zeit bindet. Aber es gibt eben nicht nur das DOC. Wir kümmern uns auch um 700 neue Kindergartenplätze. Und wir wollen die Gelder aus dem Projekt "Gute Schule 2020" für möglichst viele kleine Projekte nutzen. Die Politik hat gefordert, dass wir Prioritäten setzen. Das tun wir.

HENNING RÖSER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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