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Remscheid
Kampagne im Städtedreieck gegen Antisemitismus

Remscheid. Die Oberbürgermeister unterzeichneten gestern ein Papier des American Jewish Comittee. Von Henning Röser

Antisemitismus öffentlich machen und vor Ort Maßnahmen dagegen ergreifen, das ist das Ziel der Initiative "Mayors United Against Anti-Semitism" (Bürgermeister gemeinsam gegen Antisemitismus), die im Juli 2015 in den USA von dem American Jewish Comittee (AJC) ins Leben gerufen wurde und bald danach auch in Europa fortgesetzt wurde.

Mehr als 60 deutsche Städte sind mittlerweile dabei, gestern unterzeichneten die Oberbürgermeister des bergischen Städtedreiecks die Kampagne. Leonid Goldberg, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal, hatte den Beitritt angeregt, dem die Städte gerne folgten. Goldberg zeigte sich gestern bei der Unterzeichnung im Wuppertaler Rathaus "dankbar" für diesen Schritt. Zwar funktioniere die Zusammenarbeit mit den Kommunen und der Polizei seit Jahren sehr gut. Doch es sei wichtig, der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass es nach wie vor Angriffe und Ressentiments gegen Juden gebe. Dafür sei die Kampagne ein guter Weg. Auch der Termin der Unterzeichnung sei gut gewählt. Morgen jährt sich die "Reichkristallnacht", der Höhepunkt der Pogrome gegen jüdische Geschäftsleute in Deutschland im Jahr 1938. "Antisemitismus hört nicht auf", sagte Fabian Weißbarth vom Berliner Büro des AJC. Er erinnerte an den Anschlag auf die Bergische Synagoge im Jahr 2014, als drei Palästinenser Molotowcocktails auf das Gotteshaus in Barmen warfen. Dass das Gericht in seinem Urteil keine antisemitischen Motive bei den Tätern erkennen wollte, habe weltweit in jüdischen Gemeinden für Unverständnis gesorgt, berichtete Weißbarth. Auch darum sende der bergische Beitritt zur Kampagne ein wichtiges Signal.

Mit der Unterschrift gehe die Arbeit aber erst los, sagte Weißbarth. So gebe es Städte, die das Papier zum Anlass genommen haben, den interreligiösen Dialog zu verstärken. Andere hätten spezielle Meldestellen für antisemitische Taten eingerichtet. Denn manche Opfer würden sich nicht an die Polizei wenden. "Wer die jüdische Gemeinde angreift, greift uns an", versicherte Wuppertals OB Andreas Mucke. Er begreife die Kampagne als Zeichen der Solidarität für alle Glaubensrichtungen und Nationalitäten, ergänzte Remscheids OB Burkhard Mast-Weisz.

Quelle: RP
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