| 00.00 Uhr

Remscheid
Kanada-Freunde wünschen Städtepartnerschaft

Remscheid. Stadtverwaltung fehlt die Begründung: "Man schließt nicht erst eine Ehe und lernt sich dann kennen." Von Fred Lothar Melchior

Die Begeisterung fürs zweitgrößte Land der Erde schwingt in jedem Satz mit, wenn sich die Kanada-Freunde zum "Maple Table" im Hotel Remscheider Bräu treffen. "Es ist wie ein Virus, der einen infiziert, wenn man einmal da ist", sagt Petra Uhlenbruch, die jedes Mal extra aus Essen anreist. Der rund 40 Köpfe zählende Kreis verbreitet den Virus gerne weiter - und speziell die Remscheider Teilnehmer denken seit rund einem Jahr über eine Städtepartnerschaft nach.

Vordenker sind Arthur und Ingrid Herzog. Der Außenhandelsbetriebswirt und seine Frau lebten dreieinhalb Jahre in Toronto. In Remscheid wurden sie durch ihr Außenhandels-Partnerbüro Kanada bekannt, das sie bis vor etwa zehn Jahren aktiv betrieben. Im Ruhestand stellen sie immer noch Kontakte her ("wir haben das Network") und richten seit drei Jahren außerdem den "Maple Table Bergisch Land" der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft aus - wie vorher schon fünf Jahre lang in Bremen.

"Wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt Arthur Herzog über das Partnerschaftsprojekt. Er denkt an eine Verbindung nach Ontario. "Auf kanadischer Seite würden wir sofort Unterstützung finden." Im klammen Remscheid, vermutet Herzog, müsse man "aber erst eine Basis schaffen". Die glaubt der "Maple Table"-Koordinator, der in Remscheid schon Kanadische Wirtschaftswochen veranstaltete, bei den Firmen zu finden: "Die Verbindungen des Mittelstands mit Kanada sind sehr intensiv. Mehrere Firmen haben dort Niederlassungen, und der kanadische Konzern Magna hat ein Werk in Hückeswagen."

Das reicht der Stadt als Basis und Begründung noch nicht. "Wir als Kommune haben keinerlei Kontakte zu einer kanadischen Stadt, die im Ergebnis eine Städtepartnerschaft begründen könnten", teilt Pressereferentin Viola Juric mit. "Man schließt nicht erst eine Ehe und lernt sich dann kennen." Städtepartnerschaften würden geschlossen, "um einer historisch gewachsenen oder strukturell begründeten besonderen Verbundenheit zwischen den Menschen zweier Städte einen offiziellen Rahmen zu geben." Eine Städtepartnerschaft werde dabei nicht nur von den Stadtoberhäuptern und ihren Verwaltungen getragen: "Sie wird vor allem aktiv gelebt von den Bürgerinnen und Bürgern der Städte. Vielfach sind es auch die Bürgervereine und Freundeskreise, die sich gründen, um die freundschaftliche und innige Beziehung zwischen den Partnerstädten auszugestalten und zu pflegen."

Das sei der Fall bei den bestehenden Partnerschaften: Remscheid hat bereits Kontakte mit Ashington und Newbiggin-by-the-Sea in England (seit Anfang der 1950er Jahre), mit Quimper in Frankreich (1971), mit Presov in der Slowakei (1989), mit Pirna in Sachsen (1990), mit Kirsehir in der Türkei (2014) und dem Landkreis Mragowo in Polen (Patenschaft seit 1954, Partner seit 2015).

Die "Maple Table"-Treffen finden am ersten Dienstag im Quartal statt. Das nächste Mal kommen die Kanada-Fans am 5. Juli im "Remscheider Bräu" zusammen (20 Uhr). Wer sich für das Land interessiert, ist willkommen. "Sie werden bombardiert mit Insider-Tipps", verspricht Petra Uhlenbruch. Dabei geht es nicht nur um Erfahrungswerte bei Reisen, sondern beispielsweise auch um Ratschläge für junge Menschen, die eine Zeitlang in Kanada arbeiten möchten (Work & Travel).

Kontakt: Arthur Herzog, Tel. 0 21 91/38 88 20 u. 34 86 85; info@canada-partner.net

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Kanada-Freunde wünschen Städtepartnerschaft


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.