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Remscheid
Kaufen und Verkaufen - aus dem Leben in Lennep

Remscheid. Es braucht Ausdauer, Konzentration, eine Portion Leidensfähigkeit und Freude an Details, um ein solches Buch zu schreiben. "Das Gericht in Lennep. Erhaltene Protokolle von 1696 bis 1811." Lesen kann man es nicht. Jedenfalls nicht wie einen Roman, obwohl in ihm bestimmt jede Menge romanhafte Geschichten stecken über das Leben der Lenneper vor 300 Jahren. Zum Beispiel über die Eheleute Johan Wilhelm Schürmann und Maria Christina Schulz. Sie "zeigen an, von der Jungfer Anna Frowein nunmehr gesamt 2500 Reichstaler schuldig zu sein, stellen als Sicherheit, wie schon vorher beschrieben, ihre drei Hauser mit An- und Nebengebäuden und drei Gärten und den zwei Wiesen zum angreiflichen Unterpfand". Es ging ums Geld, um Kaufen und Verkaufen, um Erbschaften und Leihgeschäfte in diesen Gerichts-Protokollen. Nicolaus J. Breidenbach hat sie nach Jahren chronologisch abgeschrieben und dabei auf das wesentliche komprimiert. Für den Nutzer ist der Index mit dem Personenregister am interessantesten. "Jetzt kann man nachschauen, ob es Quellen für das Grundstück gibt, auf dem das eigene Haus steht", sagt Breidenbach. Von Christian Peiseler

Unter den bergischen Familienforschern ist Breidenbach (Jahrgang 1941) eine Instanz. Es gibt nämlich den "Breidenbach", ein dicker Band über das Gericht in Wermelskirchen Hückeswagen und Remscheid. Nur Lennep fehlte ihm noch. Die Lücke ist geschlossen. Der Bergische Geschichtsverein, Abteilung Remscheid, hat das Buch gedruckt.

Von Hause aus ist Breidenbach gelernter Schriftsetzer, später studierte er Betriebswirtschaft und auch ein paar Semester Geschichte. Die Historie seiner Familie lockte ihn auf die Pfade der Archive. Aber die größte Entdeckung bei seinen jahrelangen Forschungen sei nicht sein Familienstammbaum, der bis ins 16. Jahrhundert nachzuverfolgen ist. "Ein Prozent Familienforschung bringt 99 Prozent Wissen über die Heimatgeschichte", sagt Breidenbach. Aus dem Familienforscher hat sich ein Heimatforscher entwickelt. Wer über seine Familie forscht, sollte aber nicht denken, er stoße bei seiner Verwandtschaft auf große Bewunderung. "Die Familie ist eher froh, wenn ich ins Archiv fahre", sagt Breidenbach mit verschmitzter Ironie. Heimatgeschichte erfreut sich aber regen Interesses. Die Remscheider Abteilung hat 320 Mitglieder. Der Bergische Geschichtsverein 4000. Alfons Ackermann, Vorsitzender der Remscheider Abteilung, berichtet von einer großen Resonanz aufs "Geschichtscafé". Die Fahrten seien schnell ausverkauft. Noch schöner wäre es, wenn sich auch die junge Generation der Bergischen für lokale Geschichte interessieren würde.

Quelle: RP
 
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