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Karl-Heinz Humpert
Keine höheren Preise für Konzertkarten

Karl-Heinz Humpert: Keine höheren Preise für Konzertkarten
"Wenn ein Orchesterbesuch auch für ein Publikum mit kleinem Geldbeutel erschwinglich bleiben soll, ist eine weitere Preiserhöhung nicht hinnehmbar", sagte Karl-Heinz Humpert im Gespräch mit BM-Redakteur Christian Peiseler. FOTO: Moll
Remscheid. Der Vorsitzende des Kulturausschusses plädiert für eine qualifizierte Wiederbesetzung der Theaterintendanz.

Herr Humpert, der Gastspieletat des Teo Otto Theaters musste bluten, um die Bergischen Symphoniker zu retten. Ist das nicht eine Fehlentwicklung?

Humpert Natürlich ist das im Grunde eine Fehlentwicklung. Ich halte das für sehr bedenklich. Auf der anderen Seite muss man sagen, wir haben jetzt die kritischen Haushaltsjahre 2016/2017, in denen die Einsparungen innerhalb des Dezernates vorgenommen werden mussten.

Konnte das nicht verhindert werden? Die Kürzungen sind ja eine politische Entscheidung.

Humpert. Wir haben aber nicht nur im Bereich der Kultur erhebliche Probleme. Wir haben auch bei den Kindertagesstätten immense Fehlbeträge. In den Fraktionen gibt es außerdem unterschiedliche Interessen. In dieser Zeit der knappen Kassen aus anderen Bereichen Geld für die Kultur zu holen - das ist politisch kaum umsetzbar.

Den Gastspieletat wieder zu erhöhen, ist für Sie nicht vorstellbar?

Humpert Im Augenblick sehe ich das Problem, dass der Rat die Erhöhung der Grundsteuer von 600 auf 784 im Jahr 2018 nicht vollständig zurückführt. Das ist eine Aussage des Rates an die Bevölkerung gewesen.

Die vollständige Rücknahme hat der Kämmerer schon zurückgenommen.

Humpert Er hat sie relativiert. Wir werden die 600 Punkte nicht erreichen. Nach der Vorstellung des Kämmerers werden wir erst 2020 die 620 Punkte erreichen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir ab dem Jahr 2020, wenn wir aus dem Korsett des Gemeindefinanzierungsgesetzes und des Stärkungspaktes raus sind, darüber reden, wie es mit dem Gastspieletat weitergeht. Ich würde Märchen erzählen, wenn ich sagen würde, ich sehe vor diesem Zeitpunkt eine Möglichkeit für eine Erhöhung. Der Oberbürgermeister hat aber bestätigt, dass auf keinen Fall weitere Mittel aus dem Theateretat herausgenommen werden - insbesondere nicht zur Finanzierung der Symphoniker.

Der Intendant steht ja vor dem Problem, dass er nun mit weniger Vorstellungen auch noch mehr Geld einnehmen muss. Es geht um 50.000 Euro. Wie soll das gehen?

Humpert Er versucht das mit einem qualitativ guten Programm. Ich bin guten Mutes, weil er in der vorigen Spielzeit Mehreinnahmen von etwa 65.000 Euro erzielt hat.

Aber doch nur durch die Erhöhung der Eintrittsgelder um 20 Prozent. An dieser Schraube kann man nicht mehr drehen ...

Humpert Das Mittel der Preiserhöhung ist ausgereizt. Wenn die Verwaltung eine weitere Preiserhöhung von zehn Prozent für Orchesterbesucher ins Gespräch bringt, ist das seit 2014 eine Erhöhung um 32 Prozent. Wenn ein Orchesterbesuch auch für ein Publikum mit kleinem Geldbeutel erschwinglich bleiben soll, ist eine weitere Preiserhöhung nicht hinnehmbar. Wir wollen keinen elitären Besucherkreis, sondern ein Orchester für alle Bürger.

Befürchten Sie nicht, dass sich die Bergischen Symphoniker durch diese Entwicklung im Gastspieletat wieder für ihre Existenz rechtfertigen müssen?

Humpert Das ist etwas, was mich sehr ärgert. Wenn der Kämmerer in seiner Haushaltsrede zum Schluss als Fazit sagt, wir müssen die fünf Punkte an Gewerbesteuer noch haben, damit wir die Symphoniker ab 2018 entsprechend finanzieren können. Ich hätte es besser gefunden, dies nicht als Fazit einer Haushaltsrede zu machen. Das fand ich nicht gut, obwohl Sven Wiertz ansonsten seine Vorstellungen zum Haushalt gut rüber gebracht hat.

Bei der Kunstschule hat sich die Stadt blamiert mit der gesetzwidrigen Kündigung der Leiterin Dorothee Mügge. Das Arbeitsgericht hat diese Kündigung hart kritisiert und der Leitung einen schlechten Führungsstil attestiert. Die Politik hat dazu nichts gesagt. Wieso nicht?

Humpert In der nächsten Sitzung werden wir uns mit dem Thema Musik- und Kunstschule beschäftigen und das Gebäude besichtigen. Die Häuser werden ja immer schlechter.

Aber die Situation der Kunstschule ist doch alles andere als gut. Die Stadt zahlt für eine Leiterin, die nicht mehr arbeiten darf, und kann die Stelle noch nicht neu besetzen.

Humpert Das ist ein Schaden. Ich habe die Entlassung von Frau Mügge bedauert. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass die Kündigung eine verwaltungsinterne Angelegenheit und keine Sache des Kulturausschusses ist. Die Lücke muss schnell geschlossen werden.

Seit zwei Jahren fehlen in Remscheid Räume für eine städtische Galerie. Braucht Remscheid überhaupt noch eine Galerie?

Humpert Ja. Ich werde da weiter nachhaken.

Hat sich denn das Raucherfoyer im Teo Otto Theater als Ausstellungsort bewährt?

Humpert Nein. Ich weiß auch, dass die Besucherzahlen nicht so erfreulich waren. Das ist keine Galerie. Das ist eine Krücke.

Anfang 2018 geht Christian Henkelmann als Dezernent und Theaterleiter in den Ruhestand. Wie soll es danach weitergehen?

Humpert Ich halte es für dringend erforderlich, dass wir eine qualifizierte Intendanz haben, die vor Ort ein hochwertiges Programm zeichnet. Es wäre ein gravierender Fehler, wenn man diese Aufgabe unterschätzt. Die guten Besucherzahlen zeigen, dass Henkelmann das richtige Programm für Remscheid gemacht hat. Es ist ein unumstrittenes Programm gewesen. Vor dem Hintergrund der eng gestrickten Finanzsituation darf es nicht passieren, dass wir keine qualifizierte Intendanz haben.

Quelle: RP
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