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Remscheid
Kinder brauchen Hilfe

Remscheid: Kinder brauchen Hilfe
Die Suchtberatungsstelle der Caritas kümmert sich auch um Kinder aus Suchtfamilien (v.l.): Annette Potthoff, Bernd Liebetrau, Melanie Clemens, Sandra Groß, Alfred Lindenbaum und Miriam Starsinski. FOTO: Christian Peiseler
Remscheid. Suchtberatung des Diakonischen Werks ist für "Fitkids" zertifiziert. Von Christian Peiseler

Ein sechsjähriges Mädchen läuft am Mittag von Mutter zu Mutter, die gerade ihre Kinder aus der Kita abholen. "Trinkst du Alkohol?", fragt das Mädchen. "Nein", antworten daraufhin die konsternierten Mütter. "Kannst du dann auch meine Mutter sein?", fragt das Kind. Diese Geschichte erzählt Melanie Clemens, Sozialarbeiterin beim Diakonischen Werk. Sie macht deutlich, wie Kinder unter suchtkranken Eltern leiden. Das Leid drückt sich in vielfältiger Form aus: Kinder dürfen nicht mehr Kinder sein. Kinder schämen sich für die Eltern. Die Krankheit der Mutter oder des Vaters muss geheim bleiben. Kinder fühlen sich schuldig.

Eine lange Zeit standen Erwachsene im Zentrum der Suchtberatung. Doch seit einigen Jahren hat sich der Blick verändert. Die ganze Familie wird angeschaut. Um minderjährige Kinder, die bei süchtigen Eltern leben, kümmern sich auch die Mitarbeiter des Diakonischen Werks in ihren Angeboten für Suchtkranke. "Das ist eine Revolution in der Suchtberatung", sagt Annette Potthoff, langjährige Leiterin der Fachstelle Sucht.

Seit 2011 gehört Remscheid zu den Pilotstädten für das Programm "Fitkids". Das Beratungsteam hat sich in einem Coaching-Prozess weiterqualifiziert, um die Herausforderung zu meistern, mit Kindern über die Krankheit ihrer Eltern zu sprechen. Gestern überreichten ihnen Sandra Groß und Miriam Starsinski vom "Fitkids"-Projekt Wesel die Zertifikation für die Arbeit mit Kindern.

Im vorigen Jahr registrierte die Diakonie 89 minderjährige Kinder, die mit einem suchtkranken Elternteil zusammenleben. Nicht mitgezählt sind die Kinder, die in Einrichtungen oder bei Verwandten leben. "Wir sprechen die Kinder nur an, wenn die Eltern das unterstützen", sagt Clemens. Ohne den Willen der Eltern geht gar nichts. Viele süchtige Eltern haben Angst, das Jugendamt würde die Kinder wegnehmen. Die Ängste müssen erst einmal ausgeräumt werden.

Solange das Kindeswohl nicht gefährdet sei, lebt das Kind bei den Eltern. Das gelinge in den meisten Fällen. Es geht bei der Suchtberatung auch um die Frage, welche Unterstützung die Familie braucht. Und welche Hilfen den Kindern guttun. In Gruppen erfahren sie, dass sie nicht die Einzigen sind, deren Eltern Drogen nehmen. Das entlastet. Sie entwickeln spielerisch Pläne, mit wem sie sprechen können, wenn die Mama wieder trinkt. Das stärkt die Widerstandskraft und hilft in der Not.

Quelle: RP
 
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