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Remscheid
Kirchenorgel fühlt sich wohl mit der Pop-Musik

Remscheid. Der Sound einer Kirchenorgel ist stets etwas Besonderes. Heutzutage, in der es aus jeder Ecke, Jacken- und Handtasche bimmelt, dudelt und klingelt, tut die Kirchenorgel den Ohren - und damit dem Gemüt - gut.

Kantor Johannes Geßner hatte also eine schöne Idee, die Orgel der Evangelischen Stadtkirche Lennep am Samstagabend zur besten Unterhaltungszeit auf Pop und Classic-Jazz loszulassen. Seine Mitstreiter waren die Jazzsängerin Leonie Deutschmann und der Saxofonist Björn Zimmermann. Kein Schlagzeug, kein Bass - die Melodien erreichten ungebremst das gut besetzte Kirchenschiff. Die Musik kam von oben - Sängerin und Saxofonist hatten sich neben dem Organisten positioniert. Das Konzert begann mit einer Komposition von Peter Gabriel: "Book of Love". Dass der frühere Genesis-Sänger auch ein Händchen für die sachten Töne hat, hatte er schon früher etwa mit "Don't Give Up" bewiesen. Vermutlich haben ihm jetzt auch die Ohren geklungen, als sein "Buch der Liebe" die Leute auf das Konzert einstimmte. "Heute sind ehe ruhige Stücke zu erwarten", sagte Geßner danach in seiner kurzen Einführung und erwähnte die Terror-Anschläge in Paris. So ging es dann auch mit Elton Johns "Your Song" weiter. Leonie Deutschmann sang das Stück mit viel Gefühl. Ihre Stimme scheint für solche getragene Musik wie geschaffen zu sein - Elton John wurde nicht vermisst. Björn Zimmermann folgte der Melodie sehr eng in seinem Soloteil.

Der Saxofonist im Heeresmusikkorps der Bundeswehr umspielte sie in Ansätzen. Er ist auch Jazzer und zuweilen schien es, als müsste er sein Instrument bremsen. Natürlich spielten die Drei nicht nur Pop-Stücke. Auch einige Jazz-Standards wie "Misty" oder "All the Things You Are" erklangen. Da konnte er schon ein paar Linien mehr blasen - aber stets gekonnt, ohne die getragene Stimmung wegzupusten. Ein bisschen fetziger wehte zwischendurch "Chameleon" von Herbie Hancock in die Ohren. Orgel und Saxofon lieferten gemeinsam das Intro und ließen das Stück im Funk-Rhythmus klingen. Dabei schien es, als müsste Geßner die Kirchenorgel wie ein fettes Schlachtschiff zunächst für die Fahrt wach küssen. Um so williger reagierte sie dann aber unter seinen Händen und stand dem Saxofon in nichts nach. So hatten sicherlich auch die Jazz-Freunde unter den Kirchenbesuchern dieses Bigband-Stück noch nie gehört. Wäre jetzt das Saxofon so führend gewesen wie vorher der Gesang, hätte die Musik noch einen Deut kompakter geklungen.

Am Ende wurde es dann wieder beschwingt feierlich mit "I Wish You Love". Fazit: ein gelungenes, nicht alltägliches Konzert, das Begeisterung hervorrief. Das Publikum verlangte noch zwei Zugaben.

(bg)
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