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Serie Remscheids Partnerstädte - Kirsehir (3)
Kirsehir blickt auf lange Geschichte zurück

Remscheid. Remscheids jüngste Partnerstadt ist eine lebhafte Großstadt. Schon im 13. Jahrhundert wurden dort Sterne beobachtet. Von Michael Bosse und Hartmut Demski (Fotos)

Der klassische Türkei-Tourist wird Kirsehir in der Regel nicht kennen, dazu liegt die anatolische Großstadt zu weit ab von der türkischen Mittelmeerküste und auch zu weit entfernt von der Hauptstadt Ankara. "Kirsehir liegt praktisch genau in der Mitte der Türkei", sagt der Vorsitzende des Freundschaftsvereins Remscheid-Kirsehir, Superintendent Hartmut Demski.

Dennoch gibt es in der Stadt und in der Region einiges zu entdecken. Zudem erlebt die Stadt eine starke Dynamik. Von 1965 bis heute ist die Zahl der Bewohner von knapp 25 000 auf über 100 000 gestiegen. Zentrale Attraktion der Stadt ist sicherlich die Cacabey Medresse im Zentrum der Stadt, in dieser islamischen Hochschule wurden schon im 13. Jahrhundert astronomische Forschungen und Sternenbeobachtung betrieben. Eine Säule des Gebäudes zeigt ein Planetensystem, eine andere scheint eine startende Rakete zu symbolisieren. Benannt ist die Medresse nach dem damaligen Emir der Region, Nureddin Cibril Bin Cacabey. Heutzutage dient das Gebäude als Moschee.

Bedeutend ist auch die Ahi-Evran-Moschee. Der muslimische Heilige Evran war aus Persien in die heutige Türkei eingewandert und hatte im 13. Jahrhundert die Grundlagen für Gewerbetreibende gelegt. Zugleich gilt er als geistiger Vater der Genossenschaften, Gewerkschaften und Versicherungen. Nach ihm ist auch ein Musikfestival benannt, das im Frühjahr in Kirsehir stattfindet.

Generell gilt die Stadt als Zentrum der türkischen Kultur des 12. und 13. Jahrhunderts. Hier verfassten Denker und Wissenschaftler bedeutende Werke türkischer Sprache und leisteten einen wichtigen Beitrag zur geistigen Aufklärung im Land. Allerdings ist die Stadt viel älter: So ergaben archäologische Grabungen, dass sich in Kirsehir seit dem 3. Jahrtausend vor Christus Menschen ansiedelten. Archäologen entdeckten Schüsseln und Töpferstücke aus dieser Zeit in den Grabhügeln von Kirsehir.

Trotz der begrenzten Informationen über die byzantinische - also christliche - Ära der Stadt zeigen Funde zudem, dass Kirsehir auch diese Periode erlebt hat. So finden sich unter anderem die ersten großen Dorfkirchen in Anatolien dort. Mittlerweile gibt es aber keine christlichen Kirchen mehr.

Kirsehir ist eine lebendige und junge Stadt, zu der auch die Ansiedlung einer Uni mit mittlerweile vier Campus beiträgt. Um die Innenstadt attraktiver zu machen, wurde ein Stadtpark eingerichtet, der sich etwa zwei Kilometer entlang eines Flusses erstreckt. Zudem versucht sich die Stadt seit einigen Jahren als Kur- und Bäderort zu profilieren. Die im Boden gelegenen heißen Thermalquellen sind die Basis für diese Entwicklung. Einige Hotels bieten deshalb jetzt schon entsprechenden Behandlungen an.

Wer für mehrere Tage in Kirsehir ist, sollte auf jeden Fall auch das Umland besuchen. So liegt das für seine spektakulären Felsformationen bekannte Kappadokien in der Nähe. Auch die unterirdische Stadt Mucur findet sich in der Region. Einen Abstecher lohnt zudem die Kleinstadt Hacibektas. Dort findet sich das Grab des muslimischen Sufi-Mystikers Hadschi Bektasch, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts dort lebte und wirkte. Sein Grab ist eine wichtige Pilgerstätte der Glaubensgemeinschaft der Aleviten.

Quelle: RP
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