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Remscheid
Kirsehir - keine einfache Partnerschaft

Remscheid. Im Herbst plant die Stadt eine Reise in die türkische Stadt in Anatolien. Politisch strittige Themen werden ausgeblendet. Von Christian Peiseler

Im Netz kursiert ein Video einer Demonstration, auf dem nationalistisch gesinnte Anhänger der Partei von Staatspräsident Erdogan in Remscheids Partnerstadt Kirsehir zu sehen sind. Das Gebäude einer oppositionellen Partei brennt. Die Masse ist aufgebracht. Können solche Bilder, die aus dem Jahr 2015 stammen, die junge Partnerschaft zwischen Remscheid und Kirsehir gefährden? Kann man den Verfall der Demokratie in der Türkei, die Verletzung von Menschenrechten aus den lokalen Beziehungen ausblenden?

"Von Erdogan kann man halten, was man will", sagt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. Aber die innenpolitischen Probleme der Türkei dürfen die Begegnungen mit den Menschen in der anatolischen Metropole nicht stören. Für den Herbst plant Mast-Weisz einen Besuch in der über 3000 Kilometer entfernten Stadt. Auf Wunsch der türkischen Freunde sollen Vertreter der Bezirksregierung mitfahren sowie Unternehmer aus Remscheid. Erste Gespräche mit der Industrie- und Handelskammer sowie mit dem Arbeitgeberverband hat der OB geführt. Er gibt sich zuversichtlich, mit einer repräsentablen Delegation in die Türkei zu reisen. Es soll um den Ausbau von wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Partner gehen. Um den Verfall der türkischen Demokratie wird es bei den Gesprächen wohl nicht gehen.

Erdogan und die Folgen - das ist auch kein Thema bei den Treffen mit in Remscheid lebenden Türken. Etwa 15.000 Türken leben in der Werkzeugstadt. Der OB legt Wert darauf, dass die politischen Streitigkeiten in der Türkei nicht ins Bergische importiert werden. "Ich mache immer bei den Gesprächen mit türkischen Vertretern deutlich, dass wir hier in Remscheid leben", sagt Mast-Weisz. Was das bedeutet, machte eine Episode am Rande einer Einladung zum Fastenbrechen deutlich. Eine türkische Gemeinde hatte die Vertreter der Grünen ausgeladen. Begründung war ihr Abstimmungsverhalten zur Resolution zum Völkermord an den Armeniern im Bundestag. Diesen politischen Brandherd hat Mast-Weisz schnell ausgetreten. Er hat den Einladern deutlich zu verstehen gegeben, wenn die Grünen ausgeladen würden, käme auch er nicht. Die Türken entschuldigten sich, nahmen die Ausladung zurück. Alles war wieder gut. Strittige politische Themen werden strikt gemieden. Ob sich die Partnerschaft lebendig entwickelt, kann sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Kirsehir ist die jüngste von Remscheids Partnerstädten. Vor einem Jahr wurde sie offiziell besiegelt. Ein Verein organisiert den Austausch.

Für Mast-Weisz hat die Partnerschaft neben der praktischen Gestaltung von Begegnungen auch eine symbolische Relevanz. Viele in Remscheid lebende Türken kommen aus der Region um Kirsehir. Die Partnerschaft soll zeigen, dass die Belange der türkischen Migranten in Remscheid ernst genommen werden. Eine Türkin hat es mal so formuliert: Seitdem die Partnerschaft mit ihrer Heimat Kirsehir bestehe, könne sie sich auch in Remscheid zuhause fühlen.

Quelle: RP
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