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Remscheid
Klänge aus den Zeiten der Leichtigkeit

Remscheid: Klänge aus den Zeiten der Leichtigkeit
Peo Alfonsi (l.) und Al Di Meola (r.) beim Konzert auf der Bühne im Wuppertaler Skulpturenpark. FOTO: Christian Peiseler
Remscheid. Al Di Meola spielte ein überragendes Konzert bei "Klangart" im Skulpturenpark. Von Christian Peiseler

Sonnenbrille, weißes Hemd, schwarze Weste, Blue-Jeans. Mit erhobenen Armen grüßt der Gitarrist Al Di Meola von der Bühne im Skulpturenpark. Mit geschmeidiger Bassstimme murmelt er ein paar charmante Worte über das schöne Wetter beim Konzert am Sonntagabend. "Enjoy."

Und schon zupft er ein paar splitterhafte Töne hoch oben auf dem Gitarrenbund, um anschließend mit kalorienreichen Akkordschlägen in einen somnambulen Rhythmus zu gleiten, der frei ist von weichgespülter Summertime-Musik. Al di Meolas Spiel setzt auf eine Dynamik, die vom Feingefühl lebt und den Sockel der Virtuosität nicht braucht. Zwei Stunden musiziert er mit seinen wunderbaren Partnern, dem spanischen Gitarristen Peo Alfonsi und dem ungarischen Schlagzeuger Peter Kaszas. Zwei Stunden, in denen das Publikum in eine Meditation versinkt beim zweiten ausverkauften Konzert der Reihe "Klangart". Meola huscht über die Saiten, die Besucher schließen die Augen und lassen sich von seinen kristallinen Klängen in ein sonores Universum katapultieren.

"Ich muss die Sonnenbrille absetzen", sagt Meola, "ich sehe aus wie ein Rockstar, bin aber ein normaler Mensch." Manche behaupten, er sei der schnellste Gitarrist der Welt. Eine Behauptung, die gar nicht das Wesen seiner Musik trifft. Seit dem berühmten Album "Friday Night in San Francisco" aus dem Jahre 1981 existiert diese unzerbrechliche Namenskette John McLaughlin, Paco de Lucia und Al Di Meola. Auch wenn an einigen Stellen der Gitarrenzug keine Geschwindigkeitsbegrenzung zu kennen scheint und keine stilistischen Leitplanken ihn hemmen, um das pure, ekstatische Tempo geht es diesem Musiker nie. "Wenn ich spiele, dann bete ich", sagt Al di Meola. Das ist nicht einfach so daher gesprochen. Seine Musik verströmt etwas Andächtiges. Sie rutsch aber niemals ins sentimental Flauschige ab. So widmet er seiner Enkelin Ava eine Komposition voll eckigem Zartgefühl und beschützendem Lächeln. Und auf den Spuren seines Großvaters in Italien bindet er die Melodien zu einem kosmopolitischen Geflecht, in dem sowohl der lyrische Ton wie auch der leicht verzerrte rockige Klang eine Heimat haben. Sie stammen von Album "Elysium", das Ende des Jahres erscheint. Die meditative Konzentration löst sich erst mit der zweiten Zugabe auf. Es ist dieser berühmte, wippenden Melodienlauf aus "Mediterranean Sundance", dem zweiten Titel von "Friday Night in San Francisco", der ein Raunen und Jubeln in den dichten Zuhörerreihen auslöst. Vertraute Klänge. Wiederbegegnung mit einer Zeit, die auch heute noch nach Unbeschwertheit und Leichtigkeit klingt.

Quelle: RP
 
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