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Remscheid
Knoblauchduft und Italiensehnsucht

Remscheid. Italienische Lebensfreude prägte den Liederabend "Pasta e Basta" im Teo Otto Theater. Salvatore Lerose kochte dazu. Von Gisela Schmoeckel

Vor dem Herd auf der Bühne des Teo Otto Theaters steht Salvatore Lerose in roter Schürze und lässt Knoblauch und feine andere mediterrane Gewürze in der Pfanne schmoren. Der bekannte Remscheider Restaurantbesitzer und Mäzen ist als Gastschauspieler zur Profi-Truppe der Hamburger Kammerspiele hinzugekommen, und einige der Besucher dürfen später nach der Pause einige Löffel der feinen Soupa schlürfen - es wird gut gekocht in Remscheid.

Die Hamburger Gäste können vor allem sehr gut singen und kabarettartiges Theater spielen in der mitgebrachten Küche, in der Chaos herrscht. Denn keiner des Quartetts um Dietmar Loeffler will die Spül-, Servier- und Schnibbelarbeit erledigen. Der Komponist und Regisseur sitzt im Unterhemd am langen Küchentisch, den ein Wachstuch mit Leopardenfell-Muster schützt. Aber eigentlich ist der Tisch ein Flügel, und Dietmar Loeffler spielt und improvisiert mitreißend Schnulzen aus den Jahren der deutschen Italiensehnsucht in den Nachkriegsjahren, aber auch bekannte Arien und beliebte italienische "Ohrwürmer". Selbst Soul und Elvis Presley fehlen nicht - ein akustisches Panorama aus der Zeit, als Katarina Valente und Vico Torriani die abendlichen Radio- und Fernsehsendungen beherrschten. Als dann "Zwei kleine Italiener..." nach dem Schlager von Conny Froboess ertönt, fällt das Publikum in den Refrain mit ein. Es könnte größer sein, denn die Sänger und Schauspieler auf der Bühne sind allesamt Meister ihres Fachs, stimmlich sowieso und pointenreich urkomisch in ihrer parodistischen Gestensprache. Nur einer ist er selbst, Salvatore Lerose, er kocht, meist mit dem Rücken zum chaotischen Geschehen rund um den Küchenflügel, gelassen und freundlich.

Carolin Fortenbacher als "Katrin Wahl-Ente" mischt als Lebensmittelkontrolleurin die Küchenidylle auf und spielt perfekt die strenge, dabei verklemmte Kontrolleurin, die zusehends in den Duftzauber aus Leroses Pfanne und in die Musik hineingezogen wird. Köstlich-komisch sind schon die Manöver ihrer Beine, wenn sie versucht, den hohen Barhocker zu erklimmen, glänzend gesungen die Katarina Valente-Parodien. Gehilfin Mina Mia verwandelt sich in die deutsch-amerikanische Soulsängerin Love Newkirk . Tommaso Cacciapuoti als All-Round-Talent und verzweifelter Kellner und Sascha Rotermund als Vico Torrone mit seinem rauhen Akzent werden zu feurigen Sängern. Das alles mischt sich bunt durcheinander, Anspielungen, Witze, Erinnerungen versetzen immer mehr das Publikum in Schwung, das sich schließlich auch in Schunkel-Wellen vereint. Zum Schluss liest Sascha Rotermund eine Passage über die Makkaroni-Pastete aus Lampedusas berühmten Roman "Der Leopard ", und die Kontrolleurin verzichtet auf Pässe und Aufenthaltsgenehmigung. Sie nimmt lieber den Koch mit nach Hause ...

Quelle: RP
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