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Remscheid
Komik contra Leistungswahn

Remscheid: Komik contra Leistungswahn
"Die wollen nichts Individuelles mehr haben", lästerte Henning Schmidkte gegen die Musik-Casting-Shows im Fernsehen. Grönemeyer und Lindenberg würden heute durchfallen. FOTO: Nico hertgen
Remscheid. In seinem Programm nahm Henning Schmidtke in der Kloki Workaholics aufs Korn. Von Anna Mazzalupi

Wenn Henning Schmidtke auf der Bühne der Klosterkirche zu Gast ist, wird es musikalisch für die Lachmuskeln. Der Kabarettist versteht es, den Humor mit seinem Können am Klavier zu verbinden und seinen Zuhörern sogar bei ernsten Themen ein Lachen zu entlocken. "Hetzkasper - zu blöd für Burnout" heißt das neue Programm, mit dem er den fast vollen Minoritensaal am Mittwochabend unterhielt. Mit seinem charmant-spitzbübischen Lächeln und seiner Hingabe für das Klavier gewann er sein Publikum nach anfänglicher Zurückhaltung für sich.

Schmidtke beleuchtete die Auswirkungen von Leistungsdruck in der Gesellschaft. Ob im TV oder beim Sport: Alles ist auf Leistung getrimmt. Musik-Casting-Shows seien der Spiegel der Gesellschaft. "Die wollen nichts Individuelles mehr haben." Westernhagen, Lindenberg und Grönemeyer würden heute im TV-Format gnadenlos durchfallen, erklärt Schmidtke. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, die drei gekonnt mit ihren bekanntesten Songs zu parodieren.

Den 400 Meterlauf in der Leichtathletik sieht er als Metapher für das Leben: Man läuft, sieht nach links und rechts, fährt die Ellenbogen aus und landet wieder dort, wo man angefangen hat. "Doch da sieht man, es lohnt sich nicht immer, der Erste zu sein." Zwar fange dem bekannten Sprichwort nach der frühe Vogel den Wurm, doch die zweite Maus bekomme den Käse, gab der Komiker zu bedenken.

Schmidtke blieb in seiner Komik den aktuellen Lebenstrends kritisch gegenüber. Politiker, die überraschend beachtliche Positionen in der Wirtschaft einheimsen, kriegten in einem Song ihr Fett weg. Und auch für die neue Technologie, die das Leben schnelllebiger gestaltet, fand er nicht nur lobende Worte.

Natürlich kamen - passend zum Programm-Titel - die Workaholics und Jobnomaden beim "faulen Künstler" nicht gut weg. "Der Anblick einer dösenden Katze hat auf Workaholics dieselbe Wirkung wie der Pflock bei einem Vampir", sagte Schmidtke. Sie träumten in Power-Point-Präsentation und müssten dopen wie bei der Tour de France, um die Leistung durchzuhalten.

Der Künstler versteht es, mit den Worten zu spielen und treffende Anspielungen auf Literatur oder bekannte Persönlichkeiten zu machen. Zwar zündete nicht jede Pointe beim Publikum, zu lachen gab es bei dem unterhaltsamen und abwechslungsreichen Abend aber genug.

Schmidtke beschleunigte, entschleunigte, musizierte und ließ sein Publikum auch ein wenig nachdenklich zurück.

Quelle: RP
 
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