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Remscheid
Konzert an einem verwunschenen Ort

Remscheid. Nachdem 2006 die Gottesdienste in der katholischen Kirche St. Bonifatius eingestellt wurden und das Gelände brach fiel, ist das kleine Gotteshaus fast buchstäblich verschwunden. Denn die Natur beginnt um die Kirche zu wuchern und zu ranken. Von Susanne Katterwe

Nun wurde der verwunschene Ort noch einmal mit Musik und Leben gefüllt. Am Wochenende gaben dort professionelle Musiker unter der Leitung von Kantorin Ursula Wilhelm und Regionalkantor Dieter Leibold ein Konzert.

Zu Beginn durften die reichlichen Zuhörer verschiedensten Gegenständen und Instrumenten Geräusche entlocken, um den Raum und Klang zu erkunden und aktiv mitzumachen. Das Konzert war aufgebaut als eine Mischung aus Improvisationen und vorgetragenen Sprüchen. Diese umrahmten die beiden Hauptwerke des Abends.

Dieses war zum einen eine achtstimmige Chormotette des ehemaligen Osloer Komponisten Knut Nystedt "Es sollen wohl Berge weichen". Präsentiert wurde das Stück von den Projektchören der Gemeinden St. Suitbertus und der evangelischen Stadtkirche Remscheid. Den eigentlichen Höhepunkt bildete das Werk "Dixit Ecclesiastes -Koheletgesänge". Dieses wurde vom deutschen Komponisten Axel Ruoff eigens für diesen Abend komponiert. Im Dezember erhielten die Veranstalter die Zusage des bundesweiten Förderprogramms regionaler Kultur, dass sie Unterstützung für ihr ökumenisches Projekt "Lichte stille" erhalten würden. Dieses beschäftigt sich über drei Jahre mit den Themen Raum (2016) und Zeit und Klang (2017/2018). Sobald die Zusage erteilt war, begann Ruoff mit seiner Komposition zum Thema Raum, welche er in nur zwei Wochen fertigstellte.

Das Werk basiert auf dem alttestamentarischen Buch Kohelet und ist gedacht für Streich- und Schlaginstrumente, Klarinette, Chor und Solisten. Letztere wurden vertreten durch die Mezzosopranistin Dagmar Linde, den Bariton Björn Köller und den Tenor Lothar Blum. Das Buch Kohelet selbst berichtet je nach Übersetzung von der Eitelkeit der Menschen und der Vergänglichkeit allen Seins. "Windhauch, alles nur Windhauch, nichtig und flüchtig".

Mit diesem Hintergrund war der Ort des Geschehens besonders treffend gewählt. Vor allem aber sprach die Komposition für sich, denn sie klang wie Wind, der durch den Raum streifte und die Geschichte verwischte, die die Sänger erzählten. Für Klassikliebhaber war der Abend ein Highlight.

Quelle: RP
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