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Nacht der Kultur
Kultur-Rallye mit vielen Glanzlichtern

Das war die Nacht der Kultur 2016 in Remscheid
Das war die Nacht der Kultur 2016 in Remscheid FOTO: Moll, J�rgen
Remscheid. Remscheid, Nacht der Kultur - knapp 80 Orte, an denen jetzt Kultur das Sagen hat. 25 davon in der Innenstadt. Das ist nicht zu schaffen, um jedem Standort gerecht zu werden. Also: für Momentaufnahmen hinein ins Getümmel. Von Bernd Geisler (Text) und Jürgen Moll (Fotos)

Pünktlich um 19 Uhr startet in der Scharffstraße Sabine Wehberg die Installation "Candles for Peace". Überall Lichter, die Leute halten Wunderkerzen in der Hand, die Hausfront dient als haushohe Projektionsfläche der Weltkugel, darüber flimmert ein transparenter Film mit Menschen, Kindergesichter mit großen Augen staunen herab. "We are the World" - der Song von Michael Jackson, Frieden und Einigkeit auf dem Erdball zu schaffen, ertönt und mit ihm "gleichzeitig an vielen Orten in ganz Remscheid" (Wehberg). OB Mast-Weisz spricht eine bewegende, bittersüße Liebeserklärung an Remscheid und vergisst auch nicht, dass "dunkle Schatten in Form von menschenverachtenden Sprüchen und geworfenen Steinen" das Bild der Stadt in den Schmutz ziehen.

Jetzt aber lockt schräg gegenüber die bunt angeleuchtete Fassade der Zentralbibliothek. Vor der Treppe serviert Bettina L'Habitant poppiges "Mondcorn", passend zum Thema "Reise zum Mond". Drinnen blasen sieben junge Schüler der Musik- und Kunstschule schwungvolle Musik. Im Lesesaal gibt's Astronomisches: Ein Weltraum-Film und Astronauten-Nahrung: "Raketenwürmer auf Toast" (Bockwurst).

Hutprobe mit Live-Musik in der Hindenburgstraße: Sonja Vanselow aus Lüttringhausen im Salon von Susanne Bollmann. FOTO: Moll Jürgen

Danach ab ins Teo Otto Theater. Der Saal ist brechend voll: "Peter und der Wolf" läuft. Im Foyer stöhnt die Remscheiderin Helga Schmidt: "So viele schöne Sachen - man weiß gar nicht, was mal alles besuchen soll." Wie wahr - wer die Wahl hat, hat die Qual. Weiter geht's an der "Grünen Gans" vorbei. Hier kein Durchkommen, Sängerin Bianca Rosa nur durch die Glasscheibe gesichtet. Der Rathausplatz ist (noch) leer, an der Rathausfassade flimmert ein PR-Film über Remscheid. Gut gemacht, aber wir müssen weiter. Im Barista-Zelt lässt eine Stimme aufhorchen: Sängerin Veronika Thörner bringt mit einer Super-Röhre die Leute in Schwung.

Leider auch keine Zeit für die verführerisch duftende Bratwurst davor. Jetzt erst einmal ab in die Hindenburgstraße - offensichtlich ein Kulturnest. Vor und im Hutsalon Bollmann stehen sich die Leute die Beine in den Bauch. Lockere Oldie-Stimmung zur Musik von "Acaja".

Schüler der Musik- und Kunstschule begleiten in der Bibliothek den Abend mit dem Thema "Reise zum Mond". FOTO: Moll Jürgen

Nebenbei können die Damen dem schmucken Hutangebot - sozusagen "Kopfkultur" - nicht widerstehen. Sonja Vansedow - blondes Haar lockt unter kessem Hut - ist hin und hergerissen zwischen Musik und Hut. Sie habe bereits Bollmannsche Kreationen zu Hause im Schrank, bekennt sie. Auf der anderen Straßenseite bei Rechtsanwalt Stephan Böhme dürfen die Besucher bei Musik von Jörg & Harry mitmalen: Ein Mal-Mosaik soll entstehen. Böhmes Tochter Katja schwingt eifrig den Pinsel. Nein, Papa habe sie dazu nicht gezwungen, betont sie. Direkt daneben hat das Ehepaar Elke und Anton Elbracht mit bewundernswerter Initiative nur für diese Nacht einen ansonsten leer stehenden Laden angemietet. Sie zeigen "aus lauter Spaß an der Freud" Patchworkarbeiten und dazu passende überdimensionale, hölzerne Nähutensilien.

Ein bisschen weiter kredenzt Maria Thomopoulos "besonders für die Kulturnacht zu Gitarren- und Bouzouki-Musik von Paskalidis Dimitrios & Nicos Nikolaidis griechische Esskultur": Moussaka zum Beispiel. Besucherin Anneta Kandaraki ist extra deswegen angereist. Sie hat ein kleines Stück Heimat gefunden. Einen weiteren Teil der Kulturnacht will sie auch noch genießen.

In Richtung Vaßbendersaal passieren wir noch die ErlebBar. In der dortigen Versteigerung zugunsten einer Klavier-Reparatur hat Britta Kohls für zehn Euro ein Bildmontage der Alleestraße erstanden, die direkt zur Champs-Élysées führt. Sie freut sich mit leuchtenden Augen. Im Vaßbendersaal lockt eine Jazzband. Bert Fastenrath spielt ein fantastisches Gitarrensolo. Aber es gibt hier noch mehr. Künstlerin Karola Krämer stellt "Innere und äußere Freiheit" dar. So sind für sie leere Kleiderbügel ("Ich sehe was, was du nicht siehst") ein Synonym für einen Menschen: "Kleidung ist wichtig", sagt sie. Neben dem Schutz des Körpers habe sie auch eine wichtige psychologische Funktion. Auf dem Nachhauseweg steht der Shuttle-Bus der Kulturnacht am Rathaus. Die beiden Fahrgäste Christine Schiffer und Bernd Schreiber-Schoewer können von ihm nicht genug bekommen. "Ich wollte gar nicht wieder aussteigen", schwärmt sie. "Es ist wie eine Fahrt mit dem früheren Schulbus", sagt Bernd freudestrahlend. Wir nehmen uns fest vor: Im nächsten Jahr fahren wir auch Bus.

Quelle: RP
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