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Ansichtssache
Kulturelle Bildung braucht deutlich mehr Geld

Meinung | Remscheid. Das Lernen jenseits von Leistungserwartungen wirkt seit 60 Jahren Akademie Remscheid wie ein sanftes Blutverdünnungsmittel. Von Christian Peiseler

Die bereichernde Wirkung einer kulturellen Bildungsstätte ist unbestritten. Sie lässt sich aber nur schwer messen. Erfolge der kulturellen Bildungen entziehen sich der Welt der Zahlen und Bilanzen. Die beste Werbung ist der Erfahrungsbericht der Kursteilnehmer und strahlende Kinder.

60 Jahre Akademie Remscheid – das bedeutet die Ausbildung von mehr als 400.000 Erzieherinnen und Erziehern, Pädagogen und Jugendsozialarbeitern. Sie haben von den Kursen Impulse für ihre tägliche Arbeit mitgenommen, die dazu geeignet sind, vor allem die kleinen und jungen Menschen in die Lage zu versetzen, von ihren Fähigkeiten und Kompetenzen Gebrauch zu machen.

Die nonformale Bildung jenseits von Leistungserwartungen, wie sie im schulischen Raum bestehen, wirkt seit 60 Jahren wie ein sanftes Blutverdünnungsmittel. Ein bisschen auch in Remscheid. Sie verhindert, dass das Herz-Kreislauf-System des Bildungsprozesses nicht verstopft und es zu unschönen Ablagerungen kommt.

Allerdings ist es auch nach 60 Jahren Akademie nicht gelungen, kulturelle Bildung als eine Selbstverständlichkeit zu betrachten, als ein Grundrecht für jedes Kind und jeden Jugendlichen – und zwar unabhängig davon, ob die Eltern das Geld haben, ihr Kind in einen Kursus zu schicken, und unabhängig davon, ob Eltern den Wert dieser Angebote für die Entwicklung ihres Kindes erkennen.

Die Finanzkrise der Stadt, die sie unverschuldet an den Rand des Ruins getrieben hat, trifft vor allem den Sektor der kulturellen Bildung. Nur ein Beispiel. Die Politiker haben die Leitung der Kunstschule nur mit einer Halbtagsstelle besetzt, aus Spargründen. Dass sie nicht ganz verschwunden ist, feierten einige als Erfolg. Viele Bürger und Politiker loben gerne die Arbeit der Akademie. Ihre Ausstrahlung tut der Stadt gut.

Viel besser wäre es aber, sich dem Geist der Akademie konkreter zu verpflichten. Kultur lernen, kreativ leben – so könnte man ihn beschreiben.

Doch schöne Worte alleine helfen nicht weiter. Die Stadt sollte mehr Geld in die kulturelle Bildung investieren, um die Kluft zwischen den durch Herkunft Bevorzugten zu denen durch Herkunft Benachteiligten zu verkleinern. Es wäre doch ein lohnendes Ziel, Remscheid als Stadt der kulturellen Bildung für jedermann zu etablieren.

Quelle: RP
 
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