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Remscheid
Kulturerbe-Bewerbung vor dem Aus

Remscheid: Kulturerbe-Bewerbung vor dem Aus
Die Müngstener Brücke im winterlichen Dämmerlicht – Sinnbild für die Chancen einer erneuten Bewerbung zum Weltkulturerbe: Es sieht finster aus. FOTO: Kempner
Remscheid. Der Sparzwang wirkt sich aus: Wuppertal sperrt sich gegen zweite Bewerbung.

Die klamme Kassenlage der bergischen Städte, die im Fall von Solingen und Wuppertal durch verminderte Zuflüsse aus dem Stärkungspakt (wir berichteten) verschärft wird, hat Folgen auch für die Bewerbung der Müngstener Brücke für das Weltkulturerbe. Noch bevor am Dienstag die Botschaft eintraf, dass sowohl Solingen als auch Wuppertal wegen eines Berechnungsfehlers ab 2014 weniger Geld aus dem Stärkungspakt erhalten (Remscheid bekommt acht Millionen mehr), hatte Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung bereits klar gemacht, dass die größte bergische Stadt nicht bereit ist, weiter in eine erneute Bewerbung zu investieren. Das wurde der BM aus Kreisen des Lenkungsausschusses der Bergischen Entwicklungsagentur (BEA) zugetragen. Wuppertal habe kategorisch Nein gesagt.

Dabei ging es zunächst nur um 22 000 Euro für ein Gutachten zu einer möglichen gemeinsamen Bewerbung der Müngstener Brücke mit anderen Bauwerken ähnlicher Typologie und Entstehungszeit etwa in Frankreich oder Portugal. Die drei Städte hatten bereits deutlich gemacht, dass öffentliche Haushalte durch die Bewerbung nicht belastet werden dürften. Die BEA hatte daraufhin die Idee eines Fördervereins ins Spiel gebracht. Teilnehmer der Sitzung des Lenkungsausschusses, wie der Solinger CDU-Fraktionsvorsitzende Bernd Krebs, berichten von einer "unterkühlten Atmosphäre". Während sich Solingens OB Norbert Feith weiterhin für eine erneute Bewerbung stark gemacht habe, hätten Remscheids Vertreter eher unentschlossen gewirkt und die Wuppertals OB Jung und Stadtdirektor Johannes Slawig klar ablehnend. "Die Brücke bleibt ein Synonym für das Bergische Land," sagt Krebs. "Doch ohne Wuppertal funktioniert eine Bewerbung nicht."

Die 22 000 Euro für ein erstes Gutachten wären nur ein Anfang, die Folgekosten einer erneuten Bewerbung sind derzeit kaum abzuschätzen. Krebs fasst die Situation der Bewerbungspläne in ein drastisches und zugleich prägnantes Bild: "Der Sargdeckel ist noch nicht ganz geschlossen."

Diesen Eindruck muss wohl auch Norbert Feith im Lenkungsausschuss gehabt haben. Er verordnete den bergischen Partnern eine vorweihnachtliche "Denkpause" und nahm damit den Druck aus der Diskussion. Mit einer positiven Wende im Sinne einer gemeinsamen bergischen Bewerbung für das Weltkulturerbe rechnet unterdessen kaum noch jemand.

www.rp-online.de/remscheid

(bu)
 
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