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Remscheid
Lauter Jubel entscheidet über den Sieg

Remscheid. Die zweite Auflage des Löwen-Slam in der ErlebBar an der Hindenburgstraße war gut besucht. Von Hagen Thiele

Ein Beben ging am Freitagabend durch die ErlebBar an der Hindenburgstraße. Die Ursache war nicht etwa das Aufeinandertreffen von Kontinentalplatten, sondern das Finale des zweiten Löwen Slam, bei dem sich Luca Swieter aus Aachen und der Essener Michael Goehre gegenüberstanden. Durch ihren Beifall entschieden die Besucher, wer der Sieger des modernen Dichterwettstreits sein sollte. Mit frenetischem Jubel fiel ihre Wahl auf Goehre, der zuvor humoristische Höchstleistungen erbracht und zumindest einmal auch Feingefühl bewiesen hatte.

Goehres Masche ist eigentlich simpel, aber dafür beeindruckend konsequent umgesetzt. Er nimmt die Dinge, die er mag und zieht sie gnadenlos durch den Kakao. Der bekennende Metal-Fan spielte etwa bei einem fiktiven Tagebucheintrag eines Black Metal-Fans mit allen nur erdenklichen Klischees, die den Anhängern dieser harten Musik nachgesagt werden. Dabei schickte er die Besucher auf eine Achterbahnfahrt der Pointen, die so dicht getaktet waren, dass ein Lacher in den nächsten überging.

"Das ist wohl typischer Männerhumor", sagte eine Frau, die erst noch zögerte zu ihren Begleitern, aber musste letztlich doch kapitulieren und selbst immer wieder laut lachen. Mit seinem Final-Text wurde Goehre etwas künstlerischer und wandelte Charles Dickens Weihnachtsgeschichte um. In der Version des Esseners erhält die Hauptperson Besuch von den Geistern der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Partys. Am Ende stand die Erkenntnis, dass es gar nicht so schlimm sein muss, erwachsen zu werden, wenn man den richtigen Partner an seiner Seite weiß. Das brachte die ErlebBar verträumt zum Seufzen.

Mit Rhythmik und Reimen verzierte Swieter ihre Texte, die dennoch jede Menge frechen Humor boten, den die Studentin charmant auf die Bühne brachte. Thematisch befasste sie sich vor allem mit dem Lebensgefühl junger Menschen und gestattete mit ihrem Beitrag "Konsequent bin ich nur in meiner Inkonsequenz. Ein Text für Menschen ohne Perspektiven" einen selbstironischen Einblick.

Elina Raddy, die den Poetry Slam in Wermelskirchen moderiert, benutzte ihre Texte als Vehikel für Gesellschaftskritik. So klagte sie unter anderem über Kapitalismus in seiner schlimmsten Form und der damit verbundenen Ausbeute armer Bevölkerungsschichten. Die schweren Themen erhielten zwar ebenfalls lauten Beifall, konnten aber das Publikum nicht richtig begeistern.

Quelle: RP
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