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Remscheid
Lütteraten: Talfahrt bei den Bibliotheken

Remscheid: Lütteraten: Talfahrt bei den Bibliotheken
Weniger Geld, weniger Ausleihzahlen. Die finanzielle Ausstattung der Zentralbibliothek ist in den vergangenen Jahren deutlich abgesenkt worden. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Politiker machen keine Hoffnung auf eine schnelle Besserung. Forderung nach auskömmlicher Finanzierung. Von Christian Peiseler

Im Jahre 2021 scheidet die Leiterin der Stadtteilbibliothek in Lennep, Corinna Holthausen, aus dem Dienst. Der Rat der Stadt hat diese Stelle als eine Position bewertet, die wegfallen soll. Ohne eine Leiterin der Bücherei läge die Arbeit alleine auf den Schultern der ehrenamtlichen Helfer. Eine Situation, die Nicole Grüdl-Jakobs, Leiterin des Kommunalen Bildungszentrums, gerne verhindern würde. Denn es wäre ein weiterer Nackenschlag für das in den vergangenen Jahren gebeutelte Bibliothekswesen in der Stadt.

Die Lütteraten, der Förderverein, ohne dessen Engagement es diese Stadtteilbücherei nicht mehr gebe würde, suchten gestern das Gespräch mit Politikern, um ihre Sicht auf die Entwicklung der Zentralbibliothek darzustellen. Wolfgang Luge, Mitglied der Lütteraten, sprach von einem anhaltenden Abwärtstrend innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Seit 2008 sei der Medienetat pro Jahr um 6,3 Prozent geschrumpft, von 219.500 Euro auf 109.250 Euro (2015) - also um gut die Hälfte. Mit fast 30 Prozent weniger Personal muss die Bücherei mit ihren drei Standorten auskommen. Dieser harte Sparkurs zeigt nach Ansicht von Luge verheerende Wirkung: Die Ausleihzahlen haben sich im selben Zeitraum um 15,2 Prozent reduziert. Die Freunde der Stadtbücherei sehen sowohl die Kommunalpolitiker wie auch das Land in der Pflicht, diese negative Tendenz zu stoppen. Andere Kommunen wie Oberhausen zum Beispiel, die finanziell ähnlich schlecht aufgestellt sind wie Remscheid, geben mehr Geld für ihre Bibliothek aus.

Waltraud Bodenstedt (W.i.R.) Lothar Krebs (SPD), Jens Nettekoven (CDU), Philipp Wallutat (FDP) und Fritz Beinersdorf (Die Linken) hörten sich die Probleme der Bibliothek an. Krebs verwies darauf, dass die Politiker die gesamte Situation in der Stadt im Auge haben müssen, es fehle überall an Geld, nicht nur in der Kultur. Hoffnung auf schnelle Besserung machte keiner. Nettekoven signalisierte, sich bei den nächsten Haushaltsplanberatungen die Forderungen der Bibliothek genauer anzuschauen. Auch im Aufsichtsrat der Sparkassenstiftung wolle er sich für Projekte der Lütteraten einsetzen. Wallutat verwies darauf, dass sich in der Stadtbücherei an der Scharffstraße in vieles verbessert habe. Es sei in neue Technik investiert worden. Ein automatisiertes Rückgabesystem, das rund um die Uhr zu benutzen sei, biete mehr Service. Und die Öffnungszeiten seien deutlich kundenfreundlicher geworden. Er räumte aber ein, die Kommune sei vom Land nicht aufgabengerecht finanziert.

Der Ruf nach einer auskömmlichen Finanzierung durch das Land kam von allen Seiten. "Die Politik der schwarzen Null geht auf Kosten der Kinder und der Kultur",sagte Fritz Beinersdorf. Luge appellierte an die Politiker, sich dafür einzusetzen, dass die Pflege der Kultur zur Pflichtaufgabe werde.

Quelle: RP
 
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