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Remscheid
Mädchen für technische Berufe gewinnen

Remscheid: Mädchen für technische Berufe gewinnen
Oliver Lang ist Leiter des Berufskollegs Technik. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Oliver Lang (45), neuer Leiter des Berufskollegs Technik, plant mit Kollegium neue Schwerpunkte. Von Solveig Pudelski

Mädchen hängen an alten Rollenbildern, wenn es um ihren Traumjob geht: Sie wollen Friseurin oder Sprechstundenhilfe werden, bevorzugen soziale, pflegerische oder pädagogische Berufe. Und sie nehmen es in Kauf, dass sie später viel weniger verdienen als in sogenannten Männerberufen. Vielleicht entdecken sie bald ihr Faible technische Berufe: Oliver Lang, neuer Leiter des Berufskollegs Technik, plant, einen Parcours anzubieten, in dem Jugendliche in technische Berufe reinschnuppern können.

"Mädchenförderung liegt mir sehr am Herzen", sagt der Vater von zwei Töchtern, drei und zwölf Jahre alt, in seinem Büro an der Neuenkamper Straße, wo er sich gerade auf das neue Schuljahr vorbereitet. Seine Idee ist, durch Ausprobieren Begeisterung fürs handwerklich Technische zu wecken: Achtklässlerinnen wandern von Station zu Station, biegen Bleche, löten, schweißen, schrauben und beschriften Metall, bringen eine LED-Kette mit Solarpaneel an, bis sie am Ende einen im Dunkeln leuchtenden Gartenstecker mit nach Hause nehmen.

Spielerisch lernen sie so Arbeitsgeräte, Maschinen, Werkbänke und Räume der Schule sowie drei Schwerpunkte kennen: Metall, Elektro und Informatik. "Frauen, die einen technischen Beruf ergreifen, machen Karriere. Bei den Arbeitgebern haben sie beste Chancen", wirbt der Maschinenbau-Ingenieur mit Überzeugung für mehr Mut zur Technik - und die eigene Begeisterung für Technisches schwingt im Unterton immer mit.

Im Mai trat der 45-Jährige, der mit seiner Familie in Halver lebt, die Nachfolge von Holger Schödder an. Er leitet somit Remscheids zahlenmäßig größte Schule: 1600 Schüler, darunter nur rund fünf Prozent Schülerinnen, lernen dort. Er sei tief beeindruckt von der freundlichen Aufnahme des Kollegiums, dessen Bereitschaft zur Mitarbeit und vom "phänomenalen Raumangebot" der Schule. Optimistisch sieht er der bevorstehenden Qualitätsanalyse entgegen, bei der alle Konzepte auf den Prüfstand kommen.

Das Angebotsspektrum des Berufskollegs Technik ist groß, breitgefächert ist das Leistungsspektrum der Schüler. Eine wichtige Aufgabe und zugleich Herausforderung sei die individuelle Förderung - auch bei schlechten Startchancen. Einige müssen motiviert und so gefördert werden, dass sie einen Schulabschluss machen, um fit für eine Ausbildung zu werden. Am anderen Ende der Leistungsskala stehen Schüler, die das Vollabitur, derzeit mit Schwerpunkt "Informatik", innerhalb von drei Schuljahren anstreben. Mit "Technik" als zweitem Schwerpunkt plant Oliver Lang einen neuen Akzent. "Unsere Region braucht diese gut ausgebildeten Menschen", sagt er. Weil in seinem Kollegium so viel Know-how stecke - 50 Ingenieure, teilweise mit Doktortitel -, bereiten sie diese Schüler sehr gut auf ein Ingenieurstudium vor. Das Berufskolleg werde sich um eine Genehmigung des neuen Zweigs bemühen.

In seiner Rolle als Schulleiter sehe er sich als Teamplayer, als ein Manager, der Prozesse transparent macht, und als Motivator. "Ich bin ein Rädchen im Getriebe, das noch nicht ganz rund läuft", beschreibt er seine derzeitige Einarbeitungsphase recht technisch. Mit einem pädagogischen Tag habe er im Juni mit seinen Kollegen neue Grundsätze herausgearbeitet, die verstärkt ins Visier genommen werden sollen wie ein Beratungs-, Vertretungs- und Fortbildungskonzept. Trotz der Manageraufgaben lässt sich Lang eins nicht nehmen: das Unterrichten, auch wenn ihm die Leitungsfunktion ihm dafür nur wenig Zeit lasse.

Quelle: RP
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