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Remscheid
Marius Jung - wider dem politisch Korrekten

Remscheid. Der Kölner Comedian trat zum Abschluss der Internationalen Wochen gegen Rassismus in der Klosterkirche auf. Von Wolfgang Weitzdörfer

Es gehört zu den Treppenwitzen der hiesigen Comedy-Szene: Der Kölner Comedian Marius Jung wurde für sein erstes Buch "Singen können die alle. Ein Handbuch für Negerfreunde" mit einem Negativpreis des StudentInnen-Rats der Universität Leipzig für die "Darstellung von rassistischen, homo-, trans- und interfeindlichen Inhalten" auf dem Buchcover ausgezeichnet. Nun ist Jung als Sohn einer Deutschen und eines schwarzen US-Soldaten selbst dunkelhäutig und vermeintlich vor dem Vorwurf des Rassismus gefeit. Möchte man meinen. Aber die deutschen Mühlen der Political Correctness mahlen bisweilen äußerst gründlich.

Kein Wunder, dass Jung schon nach etwa einer halben Stunde seines Programms in der gut gefüllten Klosterkirche zum Schluss kam: "Hat noch irgendwer nicht verstanden, warum ich Political Correctness scheiße finde?" Vorausgegangen war dem ein munteres Worteraten, in dessen Rahmen Jung von der hochkomischen "Servicehautfarbe" zum Begriffsungetüm "Mensch mit Migrationshintergrund ohne eigene Migrationserfahrung" kam, nur um trocken anzufügen: "Dazu könnte man ja eigentlich auch einfach Deutscher sagen, aber das würde mich dann ja gar nicht mehr ausgrenzen..."

Jung hat es da natürlich gut. Er ist quasi "Betroffener", kann also quatschen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: "Wir müssen gleich eines klären, und zwar: Wer darf wann einen Neger Neger nennen? Erste Grundregel: Nichtschwarze dürfen das niemals, weil es den Beigeschmack des Rassismus trägt. Zweite Grundregel: Ich darf das immer, ich bin selber Neger, habe das Negerhandwerk quasi von der Pike auf gelernt." Und so machte er in der Folge auch ausgiebig und hemmungslos vom N-Wort Gebrauch.

Wer nun verschämt hüstelnd lächelte und sich fragte, ob man denn da jetzt lachen dürfe, musste sich Jungs Programm wohl bis zum Ende ansehen. Denn in den rund zwei Stunden zeigte der 50-Jährige nicht nur, dass er tatsächlich richtig gut singen konnte, sondern zerlegte mit wirklich wonneproppigem Gute-Laune-Lächeln alle Pegidas, AfDs, Rassisten und Gutmenschen der Republik schlicht durch die Macht des Komischen. Quasi analog zu Tucholskys "Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft" ein "Lacht über die Faschisten, wo sie euch begegnen". Da passte es, dass Jung den Abend mit einem "Willkommen zu ersten Veranstaltung der neugegründeten Negida: Neger gegen die Idiotisierung des Abendlandes" eröffnete.

Das Lachen mag einem schwerfallen, wenn Flüchtlingen teils herber Wind entgegenweht. Es ist jedoch wichtig, dass es Gegenstimmen wie die von Marius Jung gibt.

Quelle: RP
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