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Remscheid
Maschinenpark kommt unter den Hammer

Remscheid: Maschinenpark kommt unter den Hammer
Gerd Elfgen, Geschäftsführer von Power-Technologie aus Wesseling bei Köln, beäugt zwei antik anmutenden Mikroskope. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. In Güldenwerth wurde das Inventar der frühere Werkstoffprüffirma Ahotec versteigert. Für die Möbel interessierte sich niemand. Der gesamte Maschinenpark ging schließlich für 11.000 Euro weg. Von Anna Mazzalupi

Zwischen den großen Härteprüfgeräten liegen Europaletten quer übereinander. Dazwischen befinden sich auf den Werkbänken verschiedene Mikroskope. Kartons liegen zusammengefaltet auf dem Boden, Füllmaterial scheint auf seinen Einsatz zu warten. Im Regal liegen diverse Kleinteile. Im Keller des Gebäudes an der Güldenwerther Bahnhofstraße stehen weitere Prüfmaschinen. Auf einer stabilen Holzkiste klebt noch der Hinweis "Fragile". Sie kam aus Italien. Adressiert war sie an die frühere Werkstoffprüffirma "Ahotec e.K.". Das Remscheider Unternehmen ist insolvent. Das, was in den Räumen zu sehen ist, ist übriggeblieben und wird an diesem Tag an den Meistbietenden verkauft - damit Gläubiger ihr Geld bekommen.

"Das ist schon sehr speziell, weil es alles nur Prüfmaschinen sind", erklärt Rolf Hoffmann vom Wuppertaler Auktionshaus Koepchen. Seit 39 Jahren ist er im Geschäft. Für den Insolvenz-Verkauf in Remscheid am vergangenen Donnerstag hat er sich vorgenommen, alles zusammen zu verkaufen. Durch seine Erfahrung sei er sicher, dass ihm das auch gelingen werde. "Das ist alles eine Frage des Preises", sagt Hoffmann.

Die Handvoll Interessenten zeigen sich jedoch zurückhaltend. Sie wurden gezielt vom Auktionshaus eingeladen. Die Männer kennen sich und scherzen miteinander. Viele sind Wiederverkäufer, rechnen innerlich, was sich für welchen Preis weiterverkaufen ließe. Die Blicke sind skeptisch, nehmen die Gegenstände genau unter die Lupe.

"Für mich waren eigentlich die Härteprüfgeräte für den Eigengebauch interessant", sagt Gerd Elfgen, Geschäftsführer von Power-Technologie aus Köln. Doch er findet die Geräte zu alt. Die Büromöbel in der oberen Etage, die separat unter den Hammer sollen, sind für ihn nicht relevant. Er bleibt aus Neugier bis zum Schluss, um zu sehen, für welchen Preis das Angebotene verkauft wird.

Der frühere Firmeninhaber von Ahotec verfolgt nicht vor Ort, was aus seinem ehemaligen Eigentum wird. Er habe bereits einen neuen Job, erzählt Hoffmann. Die Versteigerung läuft dann auch recht schnell ab, keine fünf Minuten hat es gedauert. Am Büro hat niemand Interesse. Die Möbel bleiben am Ende unverkauft. Das Mindestgebot für den gesamten Maschinenpark liegt bei 12.000 Euro. Zu hoch, keiner bietet.

Weiter runter könne er nicht gehen. Das sei schon ein super Preis, bringe eine Maschine doch bis zu 3000 Euro, lockt Hoffmann. Letztlich bietet nur Christoph Busch aus Korschenbroich. Nach einer kurzen telefonischen Rücksprache investiert er statt der geplanten 10.000 Euro dann 11.000 Euro.

Busch zeigt sich halbwegs zufrieden mit dem Deal. Das Handeln mit Gebrauchtmaschinen ist seine Existenz. "In jeder Schlosserei werden Härteprüfmaschinen gebraucht. Hier habe ich 50 Stück auf einen Schlag", sagt er. Ob es ein gutes Geschäft war, werde sich zeigen. Seine Kollegen haben zumindest kein Interesse. Nur Gerd Elfgen beäugt zwei antik anmutenden Mikroskope als Geschenk für einen Freund.

Bis zu 14 Tage hat Busch jetzt Zeit, die Sachen abzuholen. So findet die Geschichte der Remscheider Firma ihr Ende, ein weiteres Stück Industrie verschwindet. Das Hauptgebäude erzählt von dem Baustoffunternehmen "Hund und Stahl" an diesem Standort. Der Schriftzug von Ahotec ziert noch den Anbau. Oben im Fenster hängt ein Schild: "Büro und Gewerbeflächen provisionsfrei zu vermieten."

Quelle: RP
 
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