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Remscheid
Mehr als nur heiße Luft

Remscheid: Mehr als nur heiße Luft
Sauna-Meisterin Melanie Manns an ihrem Arbeitsplatz. FOTO: jürgen moll
Remscheid. Schwitzen in der Sauna - Melanie Manns arbeitet im Bade- und Saunaparadies H2O und zeigt, dass zum Beruf der Fachangestellten für Bäderbetriebe mehr gehört. Von Verena Kensbock

Wenn Melanie Manns in der Holzhütte steht und mit dem Handtuch wedelt, wirkt ihr Beruf idyllisch. Das brennende Holz in dem offenen Kamin knistert, die Hitze wabert durch den Raum, die Gäste liegen entspannt auf den Bänken. Tatsächlich geht Melanie Manns' Tag aber schon um sechs Uhr morgens los. Drei Stunden lang steht dann erst einmal das Säubern der Schwimmbecken an.

Seit knapp 27 Jahren macht Melanie Manns diesen Beruf und er passt zu ihr, wie sie selbst sagt, wie die Faust aufs Auge. Als sie damit anfing, hieß die Ausbildung noch Lehre, die Fachangestellte für Bäderbetriebe noch Schwimmmeistergehilfin und das H2O noch Gartenhallenbad Hackenberg. Damals war das H2O noch ein reines Sportbad mit 50-Meter-Bahn und Zuschauertribüne. Die zweieinhalbjährige Ausbildung hat sie genau hier gemacht, in dem Wettkampfbad. "Ich war keine Leistungsschwimmerin, aber es war schon der Sport, der mich an diesem Beruf gereizt hat." Also bewirbt sie sich auf die Ausbildung, ohne zu wissen, was genau auf sie zukommt. Denn der Beruf der Fachangestellten für Bäderbetriebe - und auch schon der Schwimmmeistergehilfin - ist in erster Linie eine technische Tätigkeit.

"Die meisten Menschen denken, unser Job sieht so aus", sagt Melanie Manns und zeigt auf eine Mitarbeiterin, die Aufsicht am Beckenrand hat. "Aber es steckt viel mehr dahinter." Hinter dem großen Bäderparadies steckt ein riesiger technischer Komplex. Der gesamte Keller des Bads besteht aus gewaltigen Pumpen, Filteranlagen und Soletanks. Auch die Bedienung dieser Maschinen ist Teil der Berufsausbildung, gehört aber heute nicht mehr zu Melanie Manns' Alltag.

Denn seit die Stadtwerke das ehemalige Sportbad vor 20 Jahren übernommen haben, hat es sein Angebot immer wieder erweitert. Und gleichzeitig hat sich auch der Job von Melanie Manns verändert. "Mittlerweile läuft hier alles automatisiert. Wenn ich aber mal wieder im ,Sportbad Am Park' bin, habe ich hauptsächlich mit der Technik zu tun." Im H2O hingegen arbeitet sie direkt mit den Menschen - und dazu gehört mehr, als nur heiße Luft zu verwirbeln. Die Vielseitigkeit ist es, die Melanie Manns an ihrem Job so schätzt. Vom Beckendienst und Aqua-Fitnesskursen, Gästebetreuung und Personalplanung bis hin zum Sichern der Wasserqualität. "Es wird nie langweilig", sagt sie. "Und ich bin gerne Gastgeber."

Dafür steht sie auch drei Mal täglich in der Sauna und versorgt die Gäste mit heißen Aufgüssen und frischem Obst. In einer kleinen Hexenküche bereiten sie die duftenden Aufgüsse mit unterschiedlichen Aromen vor: Zitrone, Nelke, Eukalyptus. In einem Bottich weichen im Wasser frische Birkenzweige ein. Wenn Melanie Manns in ihrer Freizeit in die Sauna geht, mag sie am liebsten die klassischen Kräuteraufgüsse. "Ich genieße das noch immer sehr, auch wenn ich jeden Tag in der Sauna arbeite", sagt sie. "Aber als Gast ist es natürlich ein anderes Erlebnis. Es gibt doch nichts Entspannenderes als in der heißen Sauna zu sitzen und nach draußen ins Grüne zu schauen." Am Wochenende muss sie jedoch häufig selbst arbeiten. Der Rhythmus: drei Tage Frühschicht, drei Tage Spätschicht, drei Tage frei. Davon, meint Melanie Manns, sollten sich junge Leute aber nicht abschrecken lassen. "Zeit zum Feiern hatte ich früher trotzdem mehr als genug." Heute sieht das etwas anders aus - aber nicht wegen ihres Jobs, sondern wegen ihrer Tochter, die einen zeitaufwendigen Sport betreibt. "Witzigerweise ist es Leistungsschwimmen geworden", sagt sie und lacht. "Wahrscheinlich liegt die Leidenschaft fürs Wasser in der Familie."

Quelle: RP
 
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