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Jutta Velte (Grüne)
Mehr Visionen wagen

Jutta Velte (Grüne): Mehr Visionen wagen
Jutta Velte will für die Grünen in den Landtag. Beim Gang über die untere Alleestraße sagt sie: „Ein Drama.“ Sie möchte darüber nachdenken, wie man die Alleestraße verschönern kann. FOTO: Hertgen, Nico
Remscheid. Jutta Velte, Landtagskandidatin der Grünen, zählt sich zu den Anhängerinnen einer offenen Diskussionkultur. Der Umbau des Bildungssystems ist ihr ein zentrales Anliegen. Beim DOC würde sie Remscheid helfen. Von Christian Peiseler

Auf dem Wahlkampfplakat der Grünen wirkt Jutta Velte fast konservativ und bürgerlich. Mit so glatt gescheiteltem Haar kennt man sie in Remscheid nicht. Die Wahlkampfmanager haben ihr mit einem Bildbearbeitungsprogramm ein Image verpasst, das ihr nicht gerecht wird. Zum Gespräch mit der Bergischen Morgenpost erscheint sie angenehm unangepasst. Die 54-Jährige trägt zu einem grauen Jackett verwaschene Jeans und bequeme Turnschuhe. Was sie an diesem Vormittag von sich gibt, sind keine plakativen Sprüche.

Unseren Treffpunkt "untere Alleestraße" nennt sie ein Drama. Aber sie hebt nicht an zu einem Lamento über den Verfall der Stadt. "Wir müssen doch darüber nachdenken, wie die Alleestraße schöner werden kann", sagt Jutta Velte. Gleich schiebt sie ein paar kleine Erläuterungen über Fassadenprogramme, energetische Sanierung und Wirtschaftsförderung für das örtliche Handwerk nach. Jutta Velte denkt gerne vernetzt, beleuchtet die Dinge aus verschiedenen Perspektiven. Wahlkampf mit abwaschbaren Statements ist nicht ihre Sache. Wenn sie die politische Konkurrenz attackiert, stellt sie sich nicht als Besserwisserin dar, sondern als Freundin der feinen Ironie.

Gut 13 Prozent brauchen die Grünen bei der Landtagswahl, damit Jutta Velte einen Sitz im Landtag bekommt. Mit zwei Vertretern hätte Remscheid mehr Chancen, in Düsseldorf wahrgenommen zu werden, als bisher. Das habe Remscheid verdient. "Im Vergleich zu anderen Städten haben wir beim Sparen viel geleistet", sagt Velte. Remscheid sei bei Kürzungsmodellen eine Orientierungsmarke für andere.

Starke Unternehmen

Um die finanzielle Situation der Stadt mache sie sich Sorgen, um Remscheid nicht. "Hier wohnen starke Leute und gute Unternehmen, die Freude daran haben, sich einzumischen", sagt Velte. Das Engagement für diese Stadtgesellschaft lohne sich. Velte wünscht sich mehr öffentliche Debatten. "Wir brauchen Mut zur Diskussion. Das fördert das kreative Denken. Wir sollten miteinander, nicht übereinander reden", sagt die Kommunikationswissenschaftlerin.

Über Bildungspolitik kann man mit der Mutter zweier erwachsener Kinder stundenlang diskutieren. Als Mitglied des Schulausschusses und jahrelange Vorsitzende der Elternpflegschaft der Albert-Einstein-Gesamtschule kennt sie die Probleme des Schulalltags im Detail. Sie freut sich über den beginnenden Umbau des Schulsystems. "Die Systeme müssen zu den Kindern passen und nicht umgekehrt", sagt Velte. Aber diese Ideen sind doch seit langem bekannt, kommt als Einwand. Velte: "Wir leben sie aber nicht."

Das Designer Outlet-Center in Lüttringhausen passt nicht so richtig in Veltes Vorstellungen von der Zukunft Remscheids. Sie würde sich als Landtagsabgeordnete dennoch dafür einsetzen. Hinter dem mehrheitlichen Votum der Bürger für ein DOC will sie ihre grünen Ansichten anstellen. Sie würde sich einbringen mit Vorschlägen zur Energienutzung, ökologischer Gestaltung und Flächenverbrauch. Auch mit ungewöhnlichen Vorschlägen ist bei ihr zu rechnen. "Wir müssen Visionen wagen", sagt Velte. Man glaubt ihr, dass sie welche hat. Auf einen Plakatspruch lassen sie sich nicht reduzieren.

 
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