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Remscheid
Menschen mit Musik berühren

Remscheid. Christoph Spengler ist nicht nur Kirchenmusiker, sondern auch Dozent der Evangelischen Kirche für den Pop-Bereich. Von Bernd Geisler

Im Teo Otto Theater stehen die Menschen bis in die letzten Reihen, klatschen in die Hände, bewegen sich und singen mit. Christoph Spengler drückt vehement die Tasten seines E-Pianos. Sein Blick erfasst das Publikum, die Band, den Chor, die Gesangssolisten - er lächelt. Zweifellos ist Spengler ganz bei der Sache und auch diesmal freut er sich sehr über den Erfolg des alljährlichen Rock-Pop-Konzertes "Rockin' around the Xmas tree". Christoph Spengler ist Pop-Musiker - aber nicht nur.

Für den November plant er ein großes Giuseppe Verdi-Requiem: ein Symphoniekonzert mit dem Remscheider Mozart-Chor, dem Chor von St. Nikolaus (Bensberg), einem fantastischen Solistenensemble und dem Russischen Staatsorchester Kaliningrad. Mehr als 160 Akteure werden die Bühne füllen. Christoph Spengler ist Kirchenmusiker, Kantor der Evangelischen Johannes-Kirchengemeinde Remscheid. Seit 2003 wirkt er auch als Dozent für die Evangelische Kirche im Rheinland in den Bereichen Pop-Piano und Gospelchorleitung.

Schlagen zwei musikalische Herzen in seiner Brust? Spengler winkt ab. Für ihn ist das kein Widerspruch. "Ich finde, dass Kirchenmusik immer populär sein soll", sagt er. Es sei offensichtlich ein deutsches Phänomen, zwischen E(rnster)- und U(nterhaltungs)-Musik zu unterscheiden. Das, was heute als klassisch eingestuft wird, war zur Zeit seiner Entstehung populäre Musik.

Für ihn zählt gut gemachte Musik. Sie soll begeistern. Als Kirchenmusiker achte er besonders darauf, nicht nur den Geschmack des Bildungsbürgertums zu bedienen: "Meine Aufgabe als Kirchenmusiker ist es, so viele Milieus wie möglich zu bedienen." Das sei auch früher nicht anders gewesen. "O Haupt voll Blut und Wunden" sei ursprünglich in Liebeslied gewesen. Jesus habe mit seiner Botschaft versucht, alle zu erreichen, sagt er. Besonders diejenigen, auf die andere herabsahen. "Was vielen gefällt, kann schon deswegen keine Kunst sein", gilt für ihn nicht. Kirchenmusik sollte auch ein Ausdruck des Glaubens aller und für alle sein. Spengler möchte mit seiner Musik die Menschen erreichen und berühren. Natürlich spiele der persönliche musikalische Geschmack auch eine wichtige Rolle. Derzeit könne er sich in der Johanneskirche kein Rap-Konzert vorstellen, aber andere Kantoren mögen das anders sehen. Schlecht gemachte Musik gebe es in allen Bereichen - ob in der Klassik oder in der Moderne. So habe er allerdings nicht immer gedacht.

Mit fünf Jahren begann der Pfarrerssohn seine musikalische Ausbildung. In seiner Jugend kam für ihn nur klassische Musik infrage. Bis der 17-Jährige "Boogie Down" von Al Jarreau hörte. Dieses Album sei derart "toll gemacht", dass es ihn "wirklich berührt" habe. Und zwar nachhaltig.

Heute kann der 47-Jährige bereits neben seiner Tätigkeit als Kirchenmusiker auf eine lange Karriere in Musical-Produktionen zurückblicken. Beides ist ihm wichtig. Er leitet den Lehrgang "Ausbildung Popularmusik" in den Evangelischen Kirchen im Rheinland und Westfalen und übernahm einen Lehrauftrag für Popularmusik an der Musikhochschule Köln. Spengler steht voll hinter jedem seiner Projekte, weil "nur Authentizität berührt".

Das kann jeder nachempfinden am Sonntag, 6. September, um 18 Uhr in der Versöhnungskirche Remscheid beim Pop-Gottesdienst "Haste schon gehört? Ach, lass die Leute reden!"

Quelle: RP
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