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Remscheid
Minderjährige Flüchtlinge sind oft schwer traumatisiert

Remscheid: Minderjährige Flüchtlinge sind oft schwer traumatisiert
Günter Jäckle berichtete über seine Erfahrungen. FOTO: Dörner (Archiv)
Remscheid. In Remscheid leben 63 unbegleitete minderjährige Asylbewerber. Jugendhilfeträger rechnen mit weiteren Zuweisungen durch das Land. Von Solveig Pudelski

Erschöpft, oft traumatisiert, hungrig, verängstigt - so treffen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach den Schilderungen von Betreuern aus der Praxis in der Kommune ein. Wie nimmt Remscheid diese jungen Menschen auf? Welche Erfahrungen machen die Betreuer? "In den ersten Tagen wollen sie sich einfach nur ausruhen", berichtete Heiner van Mil, Leiter Aufnahme und Clearing bei der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL), in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses von den ersten Schritten der Begleitung dieser jungen Menschen. Die ELBL hat im Waldhof ein Aufnahme- & Clearingzentrum eingerichtet. Dort mitten im Wald, finden unbegleitete minderjährige Asylbewerber (UMA) erst einmal diesen Ruhepol.

Remscheid hat derzeit 63 UMA aufgenommen, nach Angaben von Thomas Küchler vom Jugendamt, sind rund 18 bei Verwandten untergekommen, die die Vormundschaft übernommen haben. Oft handelt es sich um Kinder, die jüngsten seien acht, neun Jahre alt. Die meisten anderen sind bei Trägern der Jugendhilfe untergebracht. Im Waldhof läuft die Ersteinschätzung und Klärung der Identität stationär, die Bergische Diakonie Aprath und der Caritasverband nehmen das sogenannte Clearing ambulant vor.

Dass sie sich die jungen, oftmals stark traumatisierten Menschen in der neuen Heimat schon sicher fühlen oder gar den Behörden vertrauen, wäre zu viel erwartet. Das stellten die Mitarbeiter dabei fest. Behördenmitarbeiter oder Polizisten wirken auf sie wie eine Lebensbedrohung, berichtete der langjährige Leiter der EJBL, Günter Jäckle.

Allein das Alter zu ermitteln, sei schwierig. "Die Jugendlichen sehen oft deutlich älter aus, weil sie sehr viel mitgemacht haben." Manche geben bewusst einen falschen Namen und ein falsches Alter an - aus purer Angst. "Schlepperbanden raten ihnen oft, die Identität nicht preiszugeben", beschrieb van Mil die Hintergründe dieser Taktik. "Wir sind darauf angewiesen, was die Jugendlichen uns sagen. Wir können das nicht gegenchecken", ergänzte Jäckle.

Die Verständigung sei nicht leicht, da viele nur Arabisch oder Fasi sprechen und Sprachmittler fehlten, berichtete Andrea Stachelhaus, Koordinatorin für Erzieherische Hilfen beim Caritasverband. Mit Einsetzen der Flüchtlingswelle 2015 und der Pflicht der Kommunen, eine bestimmte Anzahl an UMA aufzunehmen, wuchs auch der Bedarf an Vormündern. Einige Amtsvormünder hätten inzwischen zu viele Mündel oder seien unzureichend ausgebildet. Auch fehlten oftmals geeignete Anschlussmaßnahmen.

Dabei sei zu klären, wie und wo die jungen Menschen leben. Bis zum Alter von 18 Jahren sind sie schulpflichtig. Der Kenntnisstand der Flüchtlinge umfasse die gesamte Bandbreite - angefangen bei Analphabeten bis hin zu Gymnasiasten. In Kürze sei mit weiteren UMA zu rechnen, sagte Stachelhaus. "Und es kommen vermehrt Waisen hierhin."

Quelle: RP
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