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Remscheid
Minderjährige Flüchtlinge tauchen ab

Remscheid. Jugendamt hat 65 Minderjährige, die ohne Eltern einreisten, in Obhut. Ihre Identität ist oft schwierig zu ermitteln. Von Solveig Pudelski

Einige unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben nur ein kurzes Gastspiel in Remscheid - und geben den Behörden Rätsel auf: Sie verschwinden bei einer Nacht-und Nebel-Aktion. Niemand weiß mehr, wo sie sich aufhalten oder was sie machen. 5000 sollen es deutschlandweit sein, rund fünf waren es bisher in Remscheid, berichtet das Jugendamt. Die Fälle geben Anlass zu Spekulationen. Teilweise ist die Identität der jungen Menschen nach Angaben der Behörde nicht zweifelsfrei geklärt.

"Nur von einem Flüchtling wissen wir, dass er angab, nach Schweden weiterreisen zu wollen. Am nächsten Tag war er weg", sagt Thomas Küchler vom Jugendamt. Er schätze, dass auch die anderen Jugendlichen zu ihren Verwandten in Deutschland oder Europa wollten. Auch wenn die Gefahr besteht, dass extremistische Gruppen sich ihrer annehmen, sie für ihre Zwecke einsetzen, dass sie kriminell werden, könne das Jugendamt kaum verhindern, dass sie weglaufen. "Die Einrichtungen sind ja nicht geschlossen, die jungen Leute können sich frei bewegen", sagt Küchler.

So bleibe dem Amt am Ende nur, die jungen Menschen als vermisst zu melden. Doch die Suche nach ihnen gestaltet sich schwierig. Zwar habe das Ausländeramt Zugriff auf das Zentralregister, in dem alle Flüchtlinge eingetragen werden. Küchler: "Wenn die Jugendlichen aber anderswo einen anderen Namen angeben, findet man sie darin nicht wieder." So dürfte es auch für die Polizei schwierig sein, die Vermissten zu entdecken.

Wie berichtet, ist die Stadt verpflichtet, minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen, die ohne Eltern einreisen. Zugrundegelegt wird ein Schlüssel, dem bestimmte Kriterien zugrundegelegt werden. 83 solcher unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (Amtsdeutsch: UMF) müsste Remscheid aufnehmen, 65 sind es bereits seit einigen Wochen. Die Zahl stagniere - Zeit zum Durchatmen für das Jugendamt. Denn eine Betreuungsstruktur musste erst aufgebaut werden, Plätze in Jugendhilfeeinrichtungen waren bereits belegt. Aufnahme und Betreuung dieser jungen Menschen sind arbeitsintensiv und kostenträchtig. "Wobei das Land die Kosten zu 100 Prozent erstattet", erklärt Küchler.

Bei den vom Remscheider Jugendamt in Obhut Genommenen handelt es sich um 59 männliche und nur sechs weibliche Jugendliche, die meisten sind zwischen 14 und 17 Jahre alt. Es seien 37 Afghanen, 14 Syrer, sieben Iraker, zwei Iraner, zwei Somali, zwei aus Guinea, einer aus Gambia und einer aus dem Kosovo. Die meisten hätten keinerlei Papiere dabei, ihre Identität, ihr Alter und ihre Herkunft müssen zunächst ermittelt werden. In Gesprächen mit einem Dolmetscher versuche man herauszufinden, ob die Angaben richtig sind. Alle leben in Heimen, Wohngruppen und Erziehungsstellen. Noch gebe es genügend Vormünder.

Quelle: RP
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