| 00.00 Uhr

Remscheid
Mit 12 Kilo-Paketen die vierte Etage hinauf

Remscheid: Mit 12 Kilo-Paketen die vierte Etage hinauf
Paketzusteller sind immer in Bewegung - Mirko Priori macht es nichts aus, so manches Schwergewicht zum Kunden zu tragen. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Kaum eine Branche boomt so sehr wie der Paketdienst. Der Internet-Handel wächst rasant. Davon profitiert der Marktführer DHL. Er setzt allein in Remscheid rund 30 Boten täglich ein. Von Melanie Aprin

Wer bei der DHL Paket als Zusteller arbeiten will, braucht eine gewisse Fitness. "Das ist ein anstrengender Beruf", sagt Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group. "Die Pakete wiegen bis zu 31,5 Kilogramm und müssen auch schon mal mehrere Stockwerke hinauf." Für den Italiener Mirko Priori (41) ist das indes kein Problem. "Ich bin gerne in Bewegung", sagt der gebürtige Mailänder, der vor zehn Jahren nach Deutschland kam und als Quereinsteiger in der Logistikbranche landete.

"Vorher habe ich Pizzas ausgetragen", erzählt der zweifache Familienvater, der wie Ernzer in Remscheid wohnt und sich bei der DHL als Bote sehr wohl fühlt. Dabei ist er eigentlich Künstler, hat ein Faible für Skulpturen und eine Akademikerin als Mutter. Doch mit der Kunst kann man sein täglich Brot kaum verdienen. Also liefert Priori seit einem halben Jahr Pakete aus. "Rund 200 Stück sind es am Tag", erzählt der Lenneper und freut sich, dass es nun Pakete statt Pizzen sind, die er an die Haustüren bringt: "Pakete nehmen die meisten Menschen gerne an. Denn die Warensendungen enthalten in der Regel etwas, das die Leute gespannt erwarten."

Ein Geschenk etwa oder Produkte, die sich der Käufer vorher sorgfältig angesehen hat. "Auf jeden Fall keine Mahnung und auch kein Schreiben vom Gerichtsvollzieher", ergänzt Pressesprecher Ernzer schmunzelnd und erinnert sich an die Zeiten, als aus diesem Grund Briefträger noch Beamte sein mussten. Bei Paketen sei das immer schon anders gewesen: "Ihre Zustellung ist nie eine hoheitliche Aufgabe gewesen, wenngleich sie ebenso wichtig ist." Deshalb akzeptiert die DHL Paket auch nicht jeden Zusteller: "Der Unternehmensbereich ist Teil der Deutschen Post und damit einem gewissen Image verpflichtet." Ein Bote der Firmengruppe müsse hinreichend Deutsch sprechen, sich eigenständig organisieren können, Vertrauen erwecken und freundlich sein. "Vor allem darf er dem Kunden nicht mit dem Paket ins Haus fallen. Es gibt schließlich auch Menschen, die ihre Türen nur mit Vorsicht öffnen", sagt Ernzer, der seit 37 Jahren bei der Post arbeitet.

Priori hat jedoch nicht den Eindruck, dass es an Remscheider Haustüren besonders zurückhaltend zugeht. "Manche Leute wollen mich sogar auf eine Tasse Kaffee einladen", sagt er lachend. "Dafür habe ich natürlich keine Zeit. Aber es ist eine schöne Geste." Das Zutrauen der Kunden überrasche ihn nicht: "Wenn wir nicht gerade irgendwo aushelfen müssen, wo das Paketaufkommen temporär explodiert oder ein Kollege erkrankt ist, haben wir feste Reviere." Dadurch entstehe mit der Zeit eine persönliche Beziehung vor allem zu jenen Kunden, die tagsüber daheim sind oder regelmäßig Pakete an festen Arbeitsplätzen annehmen. Manche Empfänger hingegen würde er nie zu Gesicht bekommen. "Das sind Privatkunden, die ganztags außer Haus sind und uns über das Wunschportal mitteilen, wo wir ihre Pakete deponieren sollen."

Ohne das Wunschportal ist es dem Pressesprecher zufolge kaum möglich, die Waren schon am nächsten Tag vom Paketzentrum zum Kunden zu bringen. "Zwar könnte die DHL dazu übergehen, Pakete standardmäßig auch noch nach Feierabend Pakete auszuliefern. Das lehnen wir aber im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern ab", betont Ernzer. Er glaubt nicht, dass es den Kunden gefällt, "wenn es beim Abendessen klingelt und ein Bote zu später Stunde unerwartet vor der Tür steht." Darum habe sich die DHL entschlossen, nur dann Pakete bis spätestens 21 Uhr abzuliefern, wenn es der Kunde zuvor im Wunschportal vermerkt habe. "Für diesen Service setzen wir aber andere Zusteller ein als diejenigen, die bereits tagsüber gearbeitet haben. Schließlich wollen wir unsere Mitarbeiter mit geregelten Schichten von circa acht Stunden und festen Arbeitsverträgen zu vernünftigen Konditionen an uns binden."

Die Boten der DHL, von denen allein in Remscheid täglich 30 im Einsatz seien, hätten daher auch eine 38,5-Stunden-Woche, Tarifverträge und sozialversicherungspflichtige Jobs. Nur so könne sich die DHL sicher sein, stets genügend gute Arbeitskräfte zu finden. Selbstverständlich sei das nicht: "Es gibt kaum eine Branche, die so boomt wie die Logistik. Da muss man schon was tun, damit die Leute langfristig an Bord bleiben und wir sie nicht umsonst ausgebildet haben."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Mit 12 Kilo-Paketen die vierte Etage hinauf


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.