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Remscheid
Mit 54 Jahren Auszubildende zur examinierten Altenpflegerin

Remscheid. Heike Wehberg-Keck ist gelernte Arzthelferin und lässt sich nun für einen neuen Job in der Altenpflege qualifizieren. Von Anna Mazzalupi

Heike Wehberg-Keck (54) drückt noch einmal freiwillig die Schulbank. Seit April gehört die gelernte Arzthelferin zu den drei Mitarbeiterinnen des Senioren- und Pflegeheims Haus Herderstraße, die mit dem Programm "WeGebAU" (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Arbeiternehmer in Unternehmen) der Agentur für Arbeit die dreijährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin absolviert.

"Ich habe erst gedacht, was hast du dir angetan. Aber manchmal mache ich in meinem Alter den Jungen noch was vor", sagt sie mit einem Lachen. Als sie nach 17 Jahren Pause 2013 wieder in den Berufsalltag beim Haus Herderstraße als Altenpflegehelferin eingestiegen war, merkte sie, wie viel Spaß es ihr macht. Über Kollegen erfuhr sie von dem Programm WeGebAU.

"Viele wissen nicht, dass durch die Agentur für Arbeit auch Beschäftigte gefördert werden können", erklärt Johannes Vogel, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal beim Pressegespräch. Das Programm sei gerade für kleinere, mittelständische Unternehmen interessant, die weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigen, da so angestelltes Personal zum Fachpersonal ausgebildet werden kann.

Die Kosten für die Weiterbildung werden zu einem hohen Teil von der Agentur übernommen. Außerdem erhalten die Arbeitgeber einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt als Ausgleich für den Arbeitsausfall während der Qualifizierung. Derzeit gibt es in Remscheid allerdings nur sechs solcher Plätze, obwohl noch mehr zur Verfügung stünden.

Für Christiane Abel, Einrichtungsleiterin des Senioren- und Pflegeheims, überwiegen neben den kleineren Einschränkungen die Vorteile des Programms. "Die Luft wird immer dünner. Man merkt, dass immer weniger Fachkräfte für die Altenpflege verfügbar sind. Wenn man hohe Ansprüche hat, ist es besser, Personal aus den eigenen Reihen auszubilden", betont Abel. Bereits drei Kräfte des Pflegeheims haben die Ausbildung auf diesem Weg erfolgreich abgeschlossen.

Der Vorteil für Wehberg-Keck und ihre Kolleginnen ist, dass sie ihr normales Gehalt erhalten und nicht als Auszubildende entlohnt werden. Das ist immerhin ein Unterschied von etwa 50 Prozent. "Nur vom Ausbildungsgehalt hätte ich nicht leben können", sagt Wehberg-Keck. Mit dem erfolgreichen Abschluss im März 2019 darf die dann als Fachkraft im Gegensatz zur Altenpflegehelferin auch Spritzen setzen oder Medikamente verabreichen.

Ansprechpartnerin für das Projekt WeGebAU: Martina Wildförster, Tel. 02191-4606553.

Quelle: RP
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