| 00.00 Uhr

Remscheid
Mit dem Hackbrett durch die musikalischen Weiten der Mongolei

Remscheid: Mit dem Hackbrett durch die musikalischen Weiten der Mongolei
Die Musikgruppe "Egschiglen" gab ein sehr eindrucksvolles Konzert im Foyer des Teo Otto Theaters. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Vier zweisaitige Pferdekopfgeigen, eine Schwanenhalslaute, ein Kontrabass und ein asiatisches Hackbrett mit 21 Saiten (Kastenzither) legen los. Von Bernd Geisler

Der Klang: eindringlich, stetig-gestrichen, die tiefen Töne überwiegen. Der Rhythmus: 4/4-Takt mit der Betonung auf der Eins. Die Melodie: anfangs nicht vorhanden. Der Eindruck: meditative, schamanische Musik.

Einige Besucher im Foyer des Teo Otto Theaters wiegen sich bereits leicht im Takt, die Augen halb geschlossen. Kurz danach reißen sie die Lider wieder auf. Eine Stimme singt plötzlich mit Lauten, die Außerirdische aus dem "Krieg der Sterne" gekräht haben könnten. Der Sänger startet mit durchdringenden, knarrenden und ächzenden Tönen, die aus den Tiefen seines Bauches zu stammen scheinen. Trotzdem verbirgt sich eine deutlich hörbare Melodie in ihnen. Doch ehe die Gedanken über den Ursprung dieses Klangs verweilen können, wechselt er schlagartig die Tonhöhe. Jetzt singt er beinahe mit Falsett-Stimme obertonreiche, zirpende Töne. Seine Laute aus den zu einem kleinen Viereck geformten Lippen dringen durch Mark und Bein.

Es muss für den Sänger mit Namen Amartuwshin Baasandorj anstrengend sein. Ihm bleibt nicht viel Zeit zum Atmen, seine Gesichtsfarbe wird während seines Gesangs röter und röter. Der Gesamteindruck dieser Musik kann einen Zuhörer auf den Stuhl festnageln: Beschwörung und unterschwellige Freude. Die Gemeinschaft hat das Sagen und Singen, musikalische Kommunikation regiert.

Die Musiker scheinen in steter Verbindung zu sein. So etwas Faszinierendes ist nicht alle Tage zu sehen und zu hören. Es sei denn, man reitet mit den mongolischen Nomaden durch die endlose mongolische Steppe und übernachtet mit ihnen in der Jurte.

Die Musikgruppe "Egschiglen" (Wohlklang) - vier Männer und eine Frau am Hackbrett in langen Gewändern und Stiefeln, die Frau in hochgeschlossenem Weiß - hat ihre Wurzeln in der Mongolei. Sie tritt im Rahmen der Klangkosmos-Reihe auf und wird ihrer Botschaft durch und durch gerecht: "Wir wollen unsere Heimat, die Mongolei, und ihre Musik Ihnen etwas näher bringen", sagt im guten Deutsch Yanlav Tumursaihan, während er die Pferdehaarsaiten seiner Geige stimmt.

Der fesselnde Gesang heißt "khoomii" - ein spezieller Kehlkopfgesang, bei dem mit einem Grundton gleichzeitig Obertöne zu einer Melodie moduliert werden. Sarangerel Tserevsamba erinnert an ein Porzellanpüppchen. Sie bearbeitet ihr Hackbrett mit Akkordauflösungen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Mit dem Hackbrett durch die musikalischen Weiten der Mongolei


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.