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Remscheid
Mit der D-Mark wieder einkaufen gehen

Remscheid. Kunden der Supermarktkette Kaufland haben bis Ende Januar die Möglichkeit, ihre Einkäufe mit D-Mark zu bezahlen. Ein gelungener Werbegag, findet der Rheinische Einzelhandelsverband. Auch Kunden zeigen sich positiv überrascht. Von Tim Harpers

Michael Rodenbach sitzt an der Kasse der Kaufland-Filiale am Remscheider Hauptbahnhof und grinst. "Das macht acht Mark und 17 Pfennige", sagt er an die Kundin gerichtet, die auf der anderen Seite der Kasse steht. Die kramt kurz in ihrer Tasche herum und übergibt den geforderten Betrag in Form von Münzgeld. "Scheinbar haben nur noch wenig Leute Scheine zu Hause", sagt der Marktleiter. "Die Leute, die mit D-Mark zahlen, zahlen mit Münzen." Dass die Kunden überhaupt Gelegenheit haben, ihre Restbestände der alten Währung loszuwerden, liegt an einer Sonderaktion des Lebensmittelriesen. Der verspricht, dass Kunden ihre Einkäufe noch bis Ende Januar mit Mark bezahlen können.

Für Ralf Engel, den Geschäftsführer des Rheinischen Einzelhandels und Dietnstleitungsverbandes, ist die Aktion ein gelungener Werbegag und ein Beispiel für außergewöhnliches Marketing. "Die D-Mark ist nach wie vor ein Zahlungsmittel", sagt er. "Nach dem Fall des alten Rabattgesetzes ist heutzutage in Sachen Werbung sehr viel möglich. Eine solche Idee ist da absolut legitim." Zeitliche und inhaltliche Begrenzungen, die früher Rabattaktionen wie Sommer- und Winterschlussverkauf geregelt haben, gibt es heute nicht mehr. "Da hat sich viel getan", sagt Engel. "Eigentlich hat heute jeder die Freiheit, so mit Preisreduzierungen und Sonderaktionen zu werben, wie er möchte". Die einzige Bedingung: Der Kunde dürfe nicht getäuscht werden. Deshalb sei es auch durchaus denkbar, dass die Wiedereinführung der D-Mark als Werbegag auch für andere Einzelhändler im Bergischen attraktiv ist.

Dass in den Innenstädten überhaupt noch mit zeitlich begrenzten Aktionen wie Sommer- und Winterschlussverkäufen um die Kundengunst geworben wird, liegt dem Experten zufolge an den Gewohnheiten der Verbraucher. Lagerdruck und einmalige Kollektionswechsel, die früher Auslöser der halbjährlichen Rabattschlachten waren, spielten heute keine Rolle mehr. "In der Textilbranche zum Beispiel gibt es aktuell bis zu zwölf Kollektionswechsel im Jahr", erläutert Engel. "Zwei große Ausverkäufe sind gerade bei den großen Ketten in der Regel also gar nicht mehr nötig." Die Kunden der Supermarkt-Filiale am Bahnhof halten die Werbekampagne für einen ungewöhnlichen Einfall in Zeiten ausufernder Werbung. "Man wird heute ja wirklich von Angeboten erschlagen" sagt zum Beispiel Sabine Kiepenbusch, die gestern ihren Wocheneinkauf erledigte. "Da ist das schon ein netter Einfall. Damit fällt man wenigstens auf."

Sie selbst hat allerdings keine alten Münzen oder Scheine mehr zu Hause, die sie ausgeben möchte. "Nur noch ein Ein-Pfennig-Stück als Erinnerung". Auch Magda Boselczyk findet die Kampagne gelungen. "Ich denke, dass es noch viele Leute gibt, die noch altes Geld zuhause horten", sagt sie. "Denen die Möglichkeit zu geben, es auszugeben, ist doch super." Supermarkt-Geschäftsführer Michael Rodenbach wird seinen Kunden noch bis Ende Januar die Möglichkeit geben, Waren mit Pfennigen, Heiermännern und alten Scheinen zu bezahlen. "Mir macht es Spaß", sagt er. "Und ich glaube, die Kunden nehmen das gut an. Ich bin gespannt , wie es weitergeht."

Quelle: RP
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