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Remscheid
Mit Rollstuhl zu Lady Gaga getanzt

Remscheid. Tanzformation der Lebenshilfe tanzt erfolgreich im Musical. Tanzlehrerin Ulla Wieber hat die Auftritte einstudiert. Alle warten auf eine DVD vom Auftritt im Essener Colosseum Theater. Von Bernd Geisler

Den 18. September wird Ulla Wieber, Tanzlehrerin der Tanzschule Wieber, so schnell nicht vergessen: Sie erlebte ein höchst individuelles Geschenk an ihrem Geburtstag. Ihre 32 Tanzschüler tanzten auf der Bühne des Essener Colosseum Theaters in der professionellen Musical-Produktion "Grand Hotel Vega$". Das Besondere daran: Das Musical ist ein Inklusionsprojekt.

Knapp 200 Tänzer, professionelle Sänger, ausgebildete Musicaldarsteller und viele andere Teilnehmer mit und ohne Einschränkungen standen im "Grand Hotel Vegas" auf der Bühne. Wiebers Tanztruppe der Lebenshilfe besteht ausschließlich aus Menschen mit Einschränkungen. 20 Frauen und 12 Herren im Alter zwischen 18 und 60 Jahren tanzten begeistert mit.

Einmal über den roten Teppich das Theater zu betreten und im Rahmen einer wirklich professionellen Show auf der Bühne zu stehen und mitzuwirken - dieser Traum wurde für die Tänzer aus Remscheid Wirklichkeit. Das musste selbstverständlich gefeiert werden. Die lokale Premierenfeier ging am Dienstagnachmittag in der Tanzschule Wieber über die Bühne. Die Stimmung war nach diesem großen Erfolg überbordend. Zur Einstimmung wiederholte die Truppe noch einmal einen ihrer Musical-Auftritte. Sie tanzten zu Lady Gagas "Paparazzi". "Es war schon viel Arbeit, mit ihnen die Tänze einzustudieren", sagte Ulla Wieber. Sie hatte zwei Choreografien erarbeitet, zwei andere hatte das Musical vorgegeben. Seit März wurde trainiert. Die Schritte mussten eingeübt werden, die Koordination aller sollte auf den (Takt-)Punkt stimmen, die Tänzer sollten Freude und Begeisterung ausstrahlen. Die Arbeit hat sich gelohnt.

Wer jetzt bei der Feier den Tanz sah, spürte, welcher Tatendrang noch immer in den Tänzern steckt. Und das trotz der Einschränkungen. Vier Teilnehmer tanzten im Rollstuhl mit, die blinde Petra tanzte getragen vom Rhythmus und ihrem Gehör. Ein grandioser Erfolg für alle. Tänzerin Julia (24) freute sich immer noch riesig. "Es hat super Spaß gemacht", sagte sie. Die Stimmung hinter der Bühne war sehr aufregend, sie habe Lampenfieber gehabt. Benjamin (24) freute sich, dass "alles ganz toll geklappt hat". Auch er hatte, wie alle anderen Befragten, vor dem Auftritt großes Lampenfieber. Alle Mitwirkenden sehen einer angekündigten DVD über ihren Auftritt mit großen Erwartungen entgegen. Petra Schmidt begleitete als Betreuerin die Fahrt nach Essen. Ihre Tochter tanzte mit. "Für alle war es ein anstrengender Tag, aber es hat sich gelohnt", sagte sie. Das Ehepaar Julierne und Manfred Lauricks erlebte den Auftritt ihrer Tochter Petra live. "Erlebt zu haben, wie Behinderte und Nicht-Behinderte zwanglos miteinander umgegangen sind, begeisterte uns", sagten sie. Es sei ein echtes Beispiel gelebter Inklusion gewesen.

Quelle: RP
 
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