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Remscheid
Mozart-Chor reist durch die Zeit

Remscheid. Christoph Spengler und seine Mitstreiter überraschten ihr Publikum mit treffsicherem Humor. Von Bernd Geisler

Eine kulturelle Reise durch fünf Jahrhunderte: Das bot das Sommerkonzert des Mozart-Chores unter der Leitung von Christoph Spengler am frühen Samstagabend in der Versöhnungskirche.

Die Besucher betraten die Kirche mit Spannung. 20 kurze Stücke wollte der Chor singen - keines länger als drei Minuten und alle ohne instrumentale Begleitung. Zudem würden die Stücke querbeet durch alle Stilepochen wandern. Organisator Spengler wusste natürlich, dass damit die Zuhörer leicht überfordert werden können. Deswegen kombinierte er jedes Stück mit einer lyrischen "Einleitung": Mitglieder des Chors lasen kurze Gedichte vor, die thematisch zwar etwas mit dem folgenden Gesang zu tun hatten, aber nicht unbedingt derselben Stilepoche entstammten. Ohne Rücksicht auf ein formales Kulturverständnis folgte Haydn auf Heinz Erhardt, Georg Foster (gestorben 1568) auf Ringelnatz (gestorben 1934) oder Hermann Poppen (gestorben 1956) auf Johann Gottfried von Herder (gestorben 1809).

Hinzu gesellte sich eine beachtliche Portion gute Laune. Es ging zum Teil recht lustig zu. So gab es dann den ersten spontanen Applaus nach Heinz Erhardts Gedicht "Das Gewitter". Das impulsiv aufkommende Lachen folgte einer Grundregel des Humors: Überraschung. Fast nahtlos fügte sich diesem Gedicht geistliche Chormusik mit Joseph Haydns: "Erhör mich, Herr, in deiner Huld" an und erntete den Applaus gleich mit. Christoph Spengler hatte in seiner Einleitung darum gebeten, der Zeit wegen nicht nach jeder der 20 Darbietungen zu applaudieren. Wenn's aber spontan passiere, sei es durchaus willkommen. Ansonsten reiche es auch, bei Gefallen einfach "nett zu lächeln".

Ein Blick in die Runde der geschätzten 100 Besucher zeigte, dass das Lächeln die aufmerksamen Gesichter beherrschte. Ja, es lag sogar eine gewisse Spannung in der Luft: Was würde als Nächstes kommen? Die Zuhörer lauschten lieber, als dass sie ins Programmheft schauten.

Besonderes Interesse galt dem a-capella Gesang nach Karl Albert Turks (geboren 1957) Gedicht: "Der Floh". Welche Musik passte wohl auf diese ungemein witzige und dazu noch stilvoll gewagte Geschichte? Spengler hatte sie selbst vorgelesen und das folgende Stück bestimmt. Aus dem "Musikalischen Kurzweil" des Organisten und Komponisten Erasmus Widmann (gestorben 1634) folgte "Der Floh". Es passte wie die Fliegenklatsche zur Fliege.

Und augenzwinkernd setzte das Programm noch eins drauf mit Heinrich Heines "Zum Hausfrieden" mit "Viele Weiber, viele Flöhe ..." Der folgende Gesang "A Prayer of Saint Patrick" des Zeitgenossen John Rutter führte dann wieder zum Ernst des Lebens. Dazu gehört selbstverständlich auch die Liebe mit allen ihren Facetten. Sie kam im weiteren Lauf des Konzertes in Ton und Text vielfach zur Geltung. Am Ende spendeten die Besucher berechtigt lang anhaltenden Beifall. Die Zugabe zum Sommerabend bestand aus der guten Botschaft: "Der Mond ist aufgegangen."

Quelle: RP
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