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Remscheid
Mozarttöne im Seidentuch verpackt

Remscheid. Beim Philharmonischen Konzert der Bergischen Symphoniker saß erneut Pianistin Silke Avenhaus am Flügel. Von Wolfgang Weitzdörfer

"Seidene Leitern", so hieß das Motto des Philharmonischen Konzerts der Bergischen Symphoniker am Mittwochabend, das vor erfreulich gut gefüllten Rängen stattfand. Entlehnt war die Überschrift Gioachino Rossinis Oper "La Scala Di Seta" (Die seidene Leiter), deren Ouvertüre den fulminanten Auftakt für einen hochkarätigen Musikabend bildete, in dessen Verlauf vor allem die Solistin Silke Avenhaus, derzeit Artist in Residence bei den Bergischen Symphonikern, mit ihrem hervorragenden Klavierspiel bei Mozarts 17. Klavierkonzert in G-Dur zu begeistern wusste.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde noch eine jener "sechsten Symphonien", in diesem Falle die von Franz Schubert, gespielt, die ja, wie Generalmusikdirektor Peter Kuhn es ausdrückte, "alle nach dieser enormen Hürde der fünften Symphonie entstanden sind". In dieser Spielzeit haben die Bergischen Symphoniker, auch das gleichsam ein Motto, insgesamt sechs sechste Symphonien auf dem Programm stehen; die von Schubert bildete diesbezüglich den Abschluss.

Zuvor war es jedoch erst einmal eine wunderbar mundende Vorspeise in Form der Rossini-Ouvertüre, bei dem vor allem die lieblich-klagenden Oboenmelodien dominierten und im Anschluss völlig verdienten Sonderapplaus, auch der Musikerkollegen, bekamen. Rossini war ein fleißiger Opernkomponist, besonders sein "Barbier von Sevilla" erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit. Andererseits sind es vor allem die Ouvertüren, die man heute noch zu hören bekommt. Und wenn Astrid Kordak bei der Einführung die dargebotene Ouvertüre als "schmissigen Vorhangöffner" bezeichnete, dann konnte man dieser Einschätzung vorbehaltlos zustimmen - auch wenn sich hinter diesem Vorhang nicht Rossinis Oper verbarg, sondern Wolfgang Amadeus Mozarts 17. Klavierkonzert und die dazugehörige Solistin Silke Avenhaus.

Die begeisterte bei Mozarts Klavier-Meisterwerk, das sie selbst als "zu den schönsten der gesamten Klavierliteratur" gehörend bezeichnete, mit einem herrlichen Anschlag, perlenden Glissandi, einer seidenen Tonleiter gleich, sowie einer Leidenschaft, die sich bis in die Gestik und Mimik der Karlsruherin fortsetzte. Gut gelöst war es da, dass Avenhaus am Bühnenrand positioniert war, denn so konnten die Besucher sich nicht nur in den wundervollen Klang ihres Spiels verlieren, sondern auch noch dabei zusehen, wie sie die Tasten streichelte, wie sie teilweise wunderschöne Harmonien in den Flügel tupfte, nur um dann gleich wieder beinahe grobschlächtig einzelne Töne zu spielen. Und auch ihr Minenspiel hatte etwas für sich: Da waren die harmonischen Wendungen und Trugschlüsse, die ihr ein beinahe überrascht-schmerzliches Aussehen verliehen, nur um dann zum seligen Lächeln zu werden, wenn sich Mozarts kompositorisches Genie der wohlklingenden harmonischen Auflösung zuwandte. Silke Avenhaus können die Remscheider noch einmal beim 5. Kammermusikkonzert im Juni/Juli erleben.

Quelle: RP
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